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Wenn der Hund Angst vor dem Tierarzt hat

VON JENS M. DIEL - zuletzt aktualisiert: 14.09.2010 - 02:30

Der Tierarztbesuch steht vor der Tür, Vorsorgeuntersuchung und Impfung sind fällig. Leider ist in manchen Fällen das Verhältnis zwischen Tierarzt und Hund wenig euphorisch. Mit hängenden Schultern und depressivem Gesichtsausdruck schleicht Hund zum Behandlungstisch. Natürlich gibt es auch Tiere, die voller Vorfreude auf das zu erwartende Leckerchen in den Behandlungsraum gestürmt kommen, allerdings kann deren Bewegungsdrang auch zum Problem werden. Der ideale Patient zeichnet sich durch stoische Gelassenheit aus – und das kann man trainieren. Die meisten Tätigkeiten eines Tierarztes sind nur wenig unangenehm, richtig schmerzhafte Prozeduren werden unter Lokalanästhesie oder sogar Vollnarkose durchgeführt. Es besteht also kein Grund für Panik. Nur muss das Tier das lernen.

Idealerweise fängt man mit dem Tierarzt-Training bereits im Welpenalter an und übt mit dem neuen Familienmitglied. Dabei werden regelmäßig Ohren, Augen und Maul "untersucht", die Pfoten durchgetastet und der Bauch sanft durchgefühlt. Viele Welpen genießen diese Berührungen und entspannen sich sogar. Auch der Besitzer lernt dabei etwas. Er erfährt, wie sich sein gesunder Hund anfühlt. So fallen Veränderungen wie Knoten oder Verhärtungen später leichter auf. Wenn der Welpe bereitwillig mitspielt, gibt es eine Belohnung, falls es noch nicht so gut klappt, wird eben weitergeübt.

Wenn sich der zukünftige Patient daheim bereitwillig untersuchen lässt, ist der nächste Schritt ein Besuch beim Tierarzt. Manche Praxen bieten an, die zukünftigen Tierarztgänger erst einmal zu wiegen, zu bestaunen, ihnen ein Leckerchen zu geben und so das Vertrauen der Tiere zu gewinnen. Der erste Tierarztbesuch sollte ein angenehmer sein, das heißt ohne Behandlungsgrund. Damit der Tierarzt einen guten Eindruck hinterlässt, bedarf er der Hilfe des Besitzers. Oft wird der Welpe auf dem Behandlungstisch doch unruhig, fängt an zu zappeln und lässt sich plötzlich die sorgsam einstudierten Untersuchungsgänge nicht mehr gefallen. Und was passiert? Die meisten Hundebesitzer fangen an, dem armen Tier gut zuzureden, es zu streicheln oder es mit Leckereien zu versorgen. Doch dadurch fühlt sich der Hund nur in seiner Angst bestätigt. Er bekommt ja schließlich für sein ängstliches und unsicheres Verhalten eine Belohnung in Form von Aufmerksamkeit und Zuspruch. Die beruhigende Wirkung, wie sie bei einem Kind angebracht wäre, verfehlt hier leider gänzlich ihr Ziel.

Richtig wäre in so einer Situation eine "positive Konditionierung". Dies bedeutet, die Belohnung in Form von Ansprache und Streicheleinheiten nur dann zu gewähren, wenn der Hund in der Situation wunschgemäß reagiert und sich beim Tierarzt ruhig und gelassen untersuchen lässt. Im Idealfall sollte der Tierarztbesuch eine Ausnahme im Hundeleben sein, dennoch gibt es Intervalle, in denen man seinen Hund vorstellen sollte. Im Rahmen der jährlichen Impfung bzw. Vorsorgeuntersuchung kann der Tierarzt den Hundepatienten komplett untersuchen und auf anstehende oder sich entwickelnde gesundheitliche Probleme hinweisen. Ein älterer Hund sollte sogar halbjährlich vorgestellt werden. Außerdem sollten ab dem achten Lebensjahr Vorsorgetermine auch Blut- und Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes umfassen. So können viele Krankheiten früh diagnostiziert und erfolgreicher behandelt werden. Auch bei Tieren wird die Vorsorge immer wichtiger.

Unser Experte Jens M. Diel hat eine Tierarztpraxis in Meerbusch.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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