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Rat für Opfer von Genitalverstümmelung

VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 09.06.2009 - 02:30

Düsseldorf. In Düsseldorf hat Nordrhein-Westfalens erste Beratungsstelle für Frauen mit Genitalverstümmelung und davon bedrohte Mädchen eröffnet. Das Büro wird vom Verein "Stop mutilation" ("Stoppt die Verstümmelung") unterhalten und von der Stiftung Childhood der schwedischen Königin Silvia finanziell unterstützt.

Als Genitalverstümmelung bezeichnet man die in rund 30 afrikanischen Ländern, einigen Staaten Asiens und des Mittleren Ostens verbreitetete Praxis, weibliche Klitoris und Schamlippen zu entfernen oder so zu beschneiden, dass sie verengt werden; manchmal werden auch Teile der Vulva bis auf eine sehr kleine Öffnung zusammengenäht. Die Sterberate liegt bei bis zu einem Drittel; vielfach verbluten die Mädchen oder sterben an einer Infektion. In Afrika sind jedes Jahr rund drei Millionen Mädchen zwischen vier und zwölf Jahren davon bedroht.

"Die Genitalbeschneidung bei Frauen ist eine schwere Menschenrechtsverletzung", betont Jawahir Cumar. Die in Düsseldorf lebende Somalierin ist die treibende Kraft der Beratungsstelle und gründete 1996 den Verein "Stop mutilation". Allein in NRW leben mehr als 5600 potenziell betroffene Frauen. Weltweit leiden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zu 140 Millionen Frauen unter den Konsequenzen der Verstümmelung.

"Eine betroffene Frau kann nur unter größten Schmerzen urinieren. Zudem kommt es, da das Menstruationsblut nicht gut abfließen kann, oft zu Infektionen und Schäden im Nieren- und Genitalsystem", sagt Frauenarzt Christoph Zerm. "Für eine Geburt bedarf es eines chirurgischen Eingriffs: Man muss die Frau erst wieder aufschneiden. Das bedeutet eine große Gefahr für Mutter und Kind."

Die Berater von "Stop mutilation" klären über die Folgen der Genitalverstümmelung auf, helfen bei gesundheitlichen Fragen und der Suche nach einem sensiblen Gynäkologen. Zudem begleiten sie Frauen und Mädchen bei Behördengängen und Arztbesuchen. Aber es kommen auch Männer: "Väter müssen sich auch damit auseinandersetzen", betont Jawahir Cumar. "Und manchmal kommen Brüder oder der Freund eines Mädchens."

Im vergangenen Jahr bewahrte der Verein zehn Mädchen aus NRW vor der Verstümmelung: "Sie sollten in ihrer Heimat oder von einer eingeflogenen Beschneiderin in Deutschland beschnitten werden", so Cumar. Der Verein konnte die Eltern überzeugen, ihre Töchter zu verschonen. Zudem verhinderten die Aktiven die Abschiebung von zwei Frauen und ihren Töchtern – denn auch diesen Mädchen hätte die Verstümmelung gedroht.

Kontakt zur Beratungsstelle unter Telefon 02 11/50 65 74 5 und 01 62/85 78 30 7

www.stop-mutilation.org

Quelle: Rheinische Post
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