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Öl aus 10 000 Meter Tiefe

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 04.05.2010 - 02:30

Die Bohr-Plattform "Deepwater Horizon" war eins der Vorzeige-Projekte des Mineralölkonzerns BP. Noch nie wurde Öl aus so großer Tiefe gefördert. Doch vermutlich haben technische Schwierigkeiten bei dem ehrgeizigen Vorhaben den Untergang der Plattform ausgelöst.

Der Mineralöl-Konzern BP möchte für die Schäden aufkommen, die durch die explodierte und anschließend gesunkene Ölbohr-Plattform "Deepwater Horizon" entstanden sind. Die Folgen für die Umwelt an der amerikanischen Ostküste lassen sich kaum absehen. Für den Konzern bedeutet das neben dem ökologischen Schaden einen Imageverlust – und einen technologischen Rückschlag. Denn "Deepwater Horizon" war die erste Plattform, die Öl aus mehr als 10 000 Meter Tiefe gefördert hatte. Es war am 2. September 2009, als BP die Erfolgsmeldung verkündete: Bei einer Meerestiefe von 1259 Meter sei man 10 685 Meter weit vorgedrungen – um Öl zu fördern. So tief habe noch kein Unternehmen gebohrt, sagte man mit einigem Stolz. Damit wolle man Erfahrungen sammeln, um in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts noch weitere, ähnliche Tiefenbohrungen im Golf von Mexiko durchzuführen.

Der Grund dafür sind die langsam versiegenden Ölquellen. Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Internationale Energieagentur endlich zugegeben, was Experten weltweit ohnehin längst gesagt hatten. Gegen 2020 sei das Maximum der konventionellen Ölförderung erreicht. Danach nehme die Menge ab. Auch BP gibt an, dass beispielsweise im Jahr 2007 vor der Finanz- und Wirtschaftskrise die weltweite Ölförderung im Vergleich zu 2006 um 0,2 Prozent gesunken, gleichzeitig der weltweite Ölverbrauch aber um 1,1 Prozent gestiegen sei. Das macht es rentabel, in alten oder bisher noch nicht erschlossenen Ölfeldern zu bohren. In Tiefen, die man noch vor einigen Jahren als unwirtschaftlich ansah.

Alleine Transocean, der Eigentümer der Öl-Plattform, hat noch 22 weitere im Einsatz, die tiefer als 2500 Meter bohren. So weit wie die "Deepwater Horizon" ist indes noch keine vorgedrungen. Die Ölindustrie hat dafür ein eigenes branchenübergreifendes Expertengremium geschaffen, das unter dem Namen "Deepstar" die technologischen Hürden überwinden möchte, die sich bei solchen Tiefenbohrungen stellen. Vor allem der hohe Druck stellt die Ingenieure vor große Probleme. Normalerweise wird Schlamm in das Bohrloch gepumpt, das sich gegen die enorme Kraft stemmt, mit dem das Öl und auch Erdgas sonst aus der Tiefe nach oben schießen würde. Nur so kann es gleichmäßig und stetig gefördert werden.

So tief wie die "Deepwater Horizon" indes gekommen ist, wird das Halten eines Kraft-Gleichgewichts zu einem komplexen Problem. Denn übt der "Bohrschlamm" einen zu großen Druck aus, kann er das Gestein rund um das Bohrloch zu kleinen Kieseln zerdrücken. Das Öl kann dann zu schnell und mit zu großer Kraft aufsteigen. Um das berechenbarer zu machen, wird das Bohrloch mit einem Teleskoprohr ausgekleidet, das sich nach unten verjüngt. Durch den kleineren Querschnitt wird der Gegendruck des Bohrschlamms automatisch erhöht. Eine teure und im Aufbau langwierige Lösung. Und trotz allem kann es zu Schwankungen kommen, durch die dann das Öl mit explosiver Kraft nach oben schießt. Ein Vorgang, den man "Blow-Out" nennt – das englische Wort für Auspusten.

Zwar arbeitete die Plattform zum Zeitpunkt des Unfalls bei weitem nicht in der Rekordtiefe. Doch Mittlerweile sind Vorwürfe laut geworden, dass an Bord der "Deepwater Horizon" die Sicherheitssysteme versagten, die das verhindern sollten. Im Notfall hätten mehrere Hundert Tonnen schwere Ventile das Förderloch verschließen sollen. Dafür sind zwei voneinander unabhängige Schalter vorgesehen. Laut Branchendienst "Upstream Online" hätten Mitarbeiter diese Schalter betätigt. Passiert sei nichts. Ein drittes System, das sich selbst aktivieren sollte, reagiert, wenn das Öl mit hohem Druck aus dem Bohrloch schießt. Doch dieses dritte System sei nicht an Bord gewesen, vermuten einige Experten. Sie glauben, dass man die 500 000 Dollar dafür einsparen wollte.

Doch hundertprozentige Sicherheit versprechen auch solche Systeme nicht. Laut US-Regierung ist es zwischen 1992 und 2006 entlang der Küsten der USA zu 39 "Blow-Outs" gekommen.

Quelle: Rheinische Post

 
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