Mondfinsternis für Frühaufsteher
zuletzt aktualisiert: 22.12.2010 - 02:30Köln (afp/jov) Es war in Deutschland nur ein kurzes Schauspiel – gestern Morgen gegen 7.30 Uhr, als die Sonne sich langsam über den Horizont schob. Der Mond verfinsterte sich und tauchte in der Dämmerung nach und nach etwa bis zur Hälfte in ein dunkelrotes Licht. Die anschließende totale Verfinsterung des Erdtrabanten konnte man allerdings nicht beobachten – weil der Mond da bereits in Deutschland untergegangen war. Dennoch hatte diese Finsternis etwas Besonderes. Nicht nur, weil es drei Tage vor Heiligabend die einzige des zu Ende gehenden Jahres war. Sondern auch, weil seit 456 Jahren erstmals wieder eine totale Mondfinsternis mit der Wintersonnenwende zusammenfiel, bei der die Sonne den niedrigsten Stand des Jahres über dem Horizont erreichte.
In anderen Teilen der Erde wie beispielsweise in Brasilien oder den USA hatte man da einen besseren Blick auf die totale Finsternis. Denn anders als eine Sonnenfinsternis kann der verdüsterte Vollmond überall auf der Nachtseite der Erde beobachtet werden und sieht von jedem Punkt gleich aus – wenn nicht gerade die Sonne aufgeht, wie gestern in Deutschland.
Die Finsternis entsteht, wenn der Schattenmantel der Erde unseren Trabanten verhüllt – und unser Blauer Planet vor dem grauen Mond steht und so verhindert, dass er von der Sonne angestrahlt wird.
Voraussetzung dafür ist, dass Sonne, Erde und Mond auf einer Linie liegen. Und das ist nicht bei jedem Vollmond der Fall: Weil die Bahn unseres Trabanten leicht gegen den Orbit der Erde um die Sonne geneigt ist, kann unser Begleiter bis zu 37 000 Kilometer über- oder unterhalb der Linie Sonne-Erde-Mond vorbeiziehen. Bisweilen tritt die Vollmondscheibe auch nur teilweise in den Kernschatten ein. Dann lässt sich nur eine partielle Finsternis beobachten.
Doch selbst wenn der Mond wie gestern ganz in die Düsternis eintaucht – völlig verhüllt wird der Mond selbst dann nicht. Schwach ist die kraterübersäte Scheibe noch sichtbar. Rötlich bis rotbräunlich eingefärbt. Schuld daran ist das Sonnenlicht, dessen kurzwelliger, blauer Anteil in der Erdatmosphäre chaotisch gestreut wird. Darum scheint der Himmel übrigens tagsüber auch so blau.
Das langwelligere, rote Licht dagegen wird in der Lufthülle gebrochen und kann so den Mond in den düsteren Kernschatten hinein noch schwach beleuchten. Die Helligkeit und Färbung des Mondes während einer Finsternis ist darum auch ein Indiz für die Sauberkeit der Luft: Als beispielsweise der Vulkan Pinatubo 1991 ausbrach, fiel die Mondfinsternis sehr dunkel aus.
Der französische Astronom André-Louis Darjon entwickelte eine Skala für die Helligkeit des Mondes während einer seiner Verdunklungsphasen. Als Maß für die Verschmutzung der Erdatmosphäre konnte sie sich nicht durchsetzen, weil Satelliten, Ballons und Flugzeuge viel genauere Daten als die Einfärbung des Mondes liefern.
2011 gibt es gleich zwei weitere Gelegenheiten, bei denen der Mond in den Schatten der Erde wandert: Am 15. Juni wird das Maximum um 22.12 Uhr erreicht. Am 10. Dezember findet die Finsternis dagegen vormittags statt. Am 4. Januar kommt es zudem direkt nach Sonnenaufgang zu einer teilweisen Sonnenfinsternis – die man dann auch in Europa beobachten kann.
Online Die Bilder der Mondfinsternis unter www.rp-online.de/wissen
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