Berlin: Koalas – friedfertige Einzelgänger
VON FRANK UFEN - zuletzt aktualisiert: 01.02.2012 - 02:30Berlin (RP). Mit ihren Knopfaugen und Plüschohren ähneln sie den Spielzeug-Teddybären – und sind vielleicht auch deshalb so beliebt: die Koala-Bären. Dank ihrer scharfen Krallen können sie in Windeseile dicke Baumstämme emporklettern. Am liebsten aber sind sie faul und schlafen 20 Stunden am Tag.
Er hat einen runden Kopf mit Backentaschen, große Plüschohren, kleine Knopfaugen, eine vorstehende schwarze Nase und ein dichtes, wolliges Fell, das silbergrau oder rötlichbraun gefärbt ist. Wenn er nicht gerade schläft – was er allerdings jeden Tag bis zu 20 Stunden auf einer Astgabel tut – ist er damit beschäftigt, Eukalyptusblätter zu mampfen.
Ein Wesen wie den Koalabären, der ein friedfertiger Vegetarier ist, der gern eine ruhige Kugel schiebt und der wie ein liebenswerter Teddybär aussieht, muss man einfach mögen. Dabei gehört der Koala zoologisch gar nicht zu den Bären, sondern, wie es sich für einen gebürtigen Australier gehört, zu den Beutelsäugern.
Dass der Koala derart ausgiebig schläft – sogar noch länger als die Faultiere – liegt an seiner schwerverdaulichen Eukalyptus-Kost. Um diese hartfaserige und an Nährstoffen sehr arme Nahrung verarbeiten zu können, ist er mit einem Blinddarm ausgerüstet, der bis zu 2,5 Meter lang sein kann.
Ein ausgewachsener Koalabär nimmt täglich 200 bis 400 Gramm Eukalyptusblätter zu sich. Dabei geht er äußerst wählerisch vor, denn die Giftstoffe, die in ihnen stecken, kann er nur in geringen Konzentrationen vertragen. Trotzdem ist die Giftstoffdosis, die er sich tagaus tagein einverleibt, hoch genug, um ihn ständig zu benebeln. Zuerst streckt er einen Arm aus und pflückt solche Blätter ab, die seinen Ansprüchen genügen könnten. Danach beschnuppert er sie sorgfältig, bis er endlich anfängt, an ihnen zu knabbern.
Die Blätter und die weiche Rinde einiger weniger Eukalyptusarten aber versorgen den Koalabären nicht bloß mit allen Nährstoffen, die er benötigt, sondern auch mit Wasser. Er braucht deswegen so gut wie nie zu trinken. Dieser Umstand hat ihm auch seinen Namen eingetragen, der in einer der Sprachen der australischen Ureinwohner schlicht "trinkt nicht" bedeutet.
Der Koala verfügt über Greifhände mit extrem spitzen Krallen; sie besitzen jeweils zwei Daumen und drei entgegengesetzte Finger. Die Fingerkuppen haben zudem Kapillarleisten, die genau denen des Menschen entsprechen. Bis auf die hintere große Zehe tragen auch sämtliche seiner Zehen Krallen. Ausgerüstet mit diesen Greiforganen ist der Koalabär ein regelrechter Kletterakrobat: Obwohl er plump und behäbig wirkt, schafft er es spielend, dicke Baumstämme in atemberaubender Geschwindigkeit hinaufzuklettern. Hat er einen Baum zu erklimmen, springt er einfach vom Boden ab, schlägt seine Krallen tief in die Rinde und stemmt sich dann mit beiden Armen und Beinen nach oben.
Die meiste Zeit des Jahres gehen sich die Koalas aus dem Weg. Sie beanspruchen zwar ein mehrere Bäume umfassendes Revier, das die Männchen mit dem Sekret ihrer Brustdrüsen und die Weibchen mit ihrem Urin markieren. Da sich jedoch die Reviere der Männchen und der Weibchen überlappen, sind Revierstreitigkeiten ziemlich selten.
Obwohl die Koalas hartnäckige Einzelgänger sind, ordnen sie sich bereitwillig in die strenge Hierarchie ihrer Gruppe ein. Meistens gehen sie ausgesprochen behutsam und höflich miteinander um. Das ändert sich allerdings, wenn die Zeit der Fortpflanzung gekommen ist. In dieser Phase gehen die männlichen Rivalen oft ungestüm aufeinander los, denn die dominanten Männchen versuchen, alle Weibchen zu begatten, die sie erwischen können.
Die dominanten Männchen neigen sogar dazu, sich mit Weibchen zu paaren, die gerade erst begattet worden sind. Der Samen des Vorgängers wird dann einfach vom eigenen Samen weggeschwemmt. Nach der Paarung wird jedoch sofort Frieden geschlossen, und die Geschlechter gehen wieder getrennte Wege.
Nach einer Tragezeit von 35 Tagen bringt die Koala-Mutter in aller Regel ein einziges Junges zur Welt. Bei seiner Geburt ist es keine zwei Zentimeter groß, wiegt weniger als ein Gramm und ist völlig nackt, blind und taub. Die folgenden sechs bis sieben Monate verbringt es im Beutel seiner Mutter und ernährt sich von ihrer Milch. Im Alter von 22 bis 30 Wochen erhält es zusätzlich einen vorverdauten Brei vom After der Mutter, damit es sich allmählich auf die spätere Blattnahrung umstellen kann. Der Koala ist nahezu ausschließlich in der Dämmerung und nachts aktiv und hält sich ungern am Boden auf, weil ihm dort seine größten Feinde auflauern.
Doch wenn er sich im Geäst verschanzt, ist er vor ihnen weitgehend sicher. Menschliche Jäger wären ihm allerdings beinahe zum Verhängnis geworden. Um an sein begehrtes Fell zu kommen, wurden Millionen seiner Art gnadenlos abgeschlachtet. Erst 1937 wurde er in ganz Australien zur geschützten Art erklärt.
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