Frankfurt/M.: "Frankfurter Rundschau" – das Ende einer Institution
VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 14.11.2012Frankfurt/M. (RP). Dem Blatt droht nach einem Insolvenzantrag das Aus
Die deutsche Zeitungslandschaft ist um ein Traditionsblatt ärmer. Der Verlag der "Frankfurter Rundschau" meldete gestern Insolvenz an. Die Chancen für eine Weiterführung des links-liberalen Titels sind äußerst gering, auch wenn die Belegschaft, wie es in einer Erklärung heißt, "mit allem Nachdruck" nach Möglichkeiten suche, die das Erscheinen der Zeitung "dauerhaft sichern".
Mit der Pleite versinkt eines der wichtigsten und bekanntesten Blätter der deutschen Nachkriegsgeschichte in die Bedeutungslosigkeit. Als Stimme des linken, gewerkschaftsnahen Lagers haben die Autoren der "Frankfurter Rundschau" (FR) maßgeblich das politische Klima der Bundesrepublik geprägt und zugleich publizistische Geschichte geschrieben.
Als zweite Neugründung nach dem Krieg erschien die Zeitung bereits am 1. August 1945, damals noch beherrscht von Kommunisten und Linkssozialisten. Erst der Sozialdemokrat Karl Gerold, der als Verleger 1946 dazustieß, machte das Blatt zum Sprachrohr der demokratischen Linken. Er selbst bezeichnete seine Zeitung als "links-liberal".
Im publizistischen Spektrum der Bundesrepublik gehörte die FR zu den großen überregionalen Titeln. Gelesen wurde die Zeitung von der gewerkschaftlichen Elite und dem links-liberalen Bürgertum, das vornehmlich aus dem Bildungssektor stammte. Es stand der kapitalistischen Wirtschaftsordnung äußerst kritisch gegenüber und kämpfte für eine starke Rolle des Staates.
Publizistisch machte das Blatt seit den 60er Jahren durch einige Enthüllungen von sich reden. Zugleich prägte es mit seiner Dokumentationsseite die linke Diskussion in Deutschland. Vom Linksextremismus grenzte sich die FR ab. Nach 2000 verlor das Blatt an Einfluss. Auch die Umstellung auf ein kleineres Tabloid-Format und die Übernahme durch den Kölner Zeitungsverlag DuMont Schauberg konnten den Niedergang nicht aufhalten. Für die Kölner bedeutete das Engagement bei der "Frankfurter Rundschau" einen hohen finanziellen Verlust. Das neue Leitmedium der links-liberalen Leserschaft wurde die "Süddeutsche Zeitung".
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