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Die Suche nach dem Airbus

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 09.06.2009 - 02:30

16 Leichen aus dem verunglückten Airbus wurden bisher geborgen. Die Suche nach dem Flugschreiber wird zum Wettrennen mit der Zeit: Der Akku hat noch für drei Wochen Energie. Frankreich schickt ein Atom-U-Boot und ein Forschungsschiff mit Tauchbooten.

Düsseldorf. Eine Woche nach dem Absturz des Air-France-Airbus entdecken die Suchmannschaften im Atlantik täglich weitere Trümmer. Gestern fand das brasilianische Militär unter anderem einen Teil der Heckflosse. Gleichzeitig bergen die Soldaten mit jedem Tag mehr Leichen: Mittlerweile sind es 16 von insgesamt 228 Opfern, die 1100 Kilometer vor der Küste Brasiliens im Meer treibend gefunden worden sind. Trotzdem ist die genaue Unglücksstelle des Airbus A 330-200 immer noch unbekannt.

Bis 6000 Meter tief

Fieberhaft wird nun nach dem eigentlichen Wrack und vor allem nach dem Flugschreiber, der Black Box, gesucht, die alle Flugdaten des Airbus gespeichert hat. Ihr Akku hat noch für knapp drei Wochen Energie, dann wird das Peilsignal "verstummen". Ohne den Schreiber beschränkt sich die Suche nach Ursachen des Absturzes auf Mutmaßungen. Ebenso drängend wird nach dem Stimmrekorder gesucht, der die Gespräche des Piloten und Co-Piloten aufzeichnet.

Morgen wird darum das französische Atom-U-Boot "Émeraude" eintreffen. Das knapp 74 Meter lange Schiff kann mit seiner 70-köpfigen Besatzung bis 300 Meter Tiefe tauchen und dort das Signal des Flugschreibers besser empfangen als die Schiffe und Flugzeuge über dem Meer. Unterstützt wird die Suche dabei von zwei elektronischen "Horchposten" der US-Marine, die Signale aus bis 6100 Meter Tiefe orten können – für den Fall, dass der Flugschreiber so tief gesunken sein sollte.

Zudem ist das französische Forschungsschiff "Pourquoi Pas?" (deutsch: "Warum nicht?") zur mutmaßlichen Unglücksstelle unterwegs, das mit einem hochauflösenden Tiefsee-Sonar ausgestattet ist. Damit untersucht das Schiff normalerweise die Struktur des Meeresbodens. Nun wird es nach dem Flugschreiber suchen, sobald das Signal geortet worden ist. Zudem befinden sich an Bord zwei Tauchboote, die bis 6000 Meter Tiefe hinabsteigen können: Die "Nautile" wurde bereits 1985 gebaut. Das 19,5 Tonnen schwere und acht Meter lange Schiff kann zwei Mann Besatzung und einen Missionsspezialisten aufnehmen. Acht Stunden vermag es autonom zu operieren. Vor dem knapp 600-fachen Druck an der Erdoberfläche in 6000 Meter Tiefe schützt die Nautile dabei ihr Titan-Gehäuse. Zudem sind mehrere Kameras und Scheinwerfer an Bord. Selbst wenn das Boot zunächst nichts entdeckt, könnte sich vielleicht noch auf den Bildern eine Spur der Black Box und des Stimmrekorders entdecken lassen.

Der Victor 6000 ist dagegen erst zehn Jahre alt und war bereits mit dem deutschen Forschungsschiff Polarstern unterwegs. Menschen sind an Bord des 4,6 Tonnen schweren Tauchroboters nicht vorgesehen, der über ein 8500 Meter langes Kabel gesteuert wird. In 6000 Meter Tiefe erreicht Victor dabei noch eine Geschwindigkeit von bis zu 1,5 Knoten. Zudem hat er zwei Greifzangen inklusive Schaufeln an Bord, die insgesamt 100 Kilogramm heben. Mit ihnen würde er die Black Box bergen können.

Und ohne den Flugschreiber bleibt der Absturz des Airbus ein Rätsel. In Verdacht geraten dabei zunehmend die Geschwindigkeitsmesser, die so genannten Pitot-Röhren. Sie messen sowohl den Luft-Druck als auch den Druck der vorbeiströmenden Luft. Daten, mit deren Hilfe sich die Geschwindigkeit und die Höhe eines Flugzeuges berechnen lassen. Anscheinend machten die Pitot-Röhren schon in anderen Airbus-Typen Probleme, weil sie vereisten. Einen entsprechenden Hinweis hatte Airbus bereits ausgegeben. Als dringend wurde das bei Air France indes nicht gesehen – weil es bisher bei den Typen A 330 und A 340 kaum Vorfälle mit vereisten Pitot-Röhren gab.

Unklar ist auch, warum der Pilot trotz der insgesamt 24 Fehlermeldungen an Bord keinen Notruf abgegeben hat. Schließlich wurden die Daten vier Minuten lang automatisch gesendet. Mit der Funkanlage scheint es daher keine Probleme gegeben zu haben.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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