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Diagnose Blasenkrebs

VON WOLFRAM GOERTZ - zuletzt aktualisiert: 30.05.2009 - 02:30

Dave Gahan, Sänger der britischen Band Depeche Mode, ist am Harnblasen-Karzinom erkrankt, wurde operiert und soll am 8. Juni wieder auf der Bühne stehen. Die Krankheit ist die fünfthäufigste Tumorerkrankung des Menschen. Entscheidend ist, wie früh sie entdeckt wird.

Düsseldorf. Dave Gahan hat allen Grund zu der Annahme, dass der liebe Gott ein flammender Fan von Depeche Mode ist. Er hat den 47-jährigen Sänger der Band nun zum zweiten Mal durch die Heilkunst von Ärzten und die Zuteilung eines günstigen Schicksals dem Tod von der Schippe springen lassen.

1996 war Gahan einmal nach dem Genuss eines Drogen-Cocktails zwei Minuten klinisch tot, wurde aber erfolgreich reanimiert. Jetzt laborierte Gahan an einem eher harmlosen Magen-Darm-Infekt, wurde untersucht – und gleichsam nebenbefundlich entdeckten die Ärzte einen bösartigen, aber wohl noch nicht weit fortgeschrittenen Blasentumor. Bald wird der Sänger wieder auf der Bühne stehen können. Die Konzerte in Düsseldorf, geplant für den 4. und 5. Juni, werden allerdings verschoben.

Oft an verschiedenen Stellen

Über den Verlauf der medizinischen Enttarnung von Gahans Tumor gibt es nur Vermutungen. Vielleicht hat Patient Gahan Blut im eigenen Urin gesehen und den Ärzten zu Protokoll gegeben. Sie könnten es aber, wenn es fürs bloße Auge nicht erkennbar war, auch bei der Urin-Diagnostik gesichtet haben; das nennt man Mikrohämaturie. "Nach diesem Befund wird man Gahans Blase unverzüglich gespiegelt haben", glaubt Mirko Müller, Oberarzt für Urologie an der Universitätsklinik Düsseldorf. Diese Spieglung ist ein endoskopischer Eingriff, in deren Verlauf die oberflächlich von Krebs befallenen Zonen per Elektroschlinge abgetragen werden können.

Harnblasenkrebs tritt oft gleichzeitig an verschiedenen Stellen in der Blase auf, doch im Ultraschall sieht man ihn erst in sehr fortgeschrittenem Stadium. Im Spätstadium hat sich Gahan offenbar noch nicht befunden; dessen Kennzeichen sind zum Beispiel Schmerzen durch einen Harnstau.

Natürlich hatte der Musikus unwillentlich mit dem Teufel kokettiert – jeder Raucher wie Gahan erhöht sein Blasenkrebs-Risiko stark. Ähnlich wie beim Bronchialkarzinom ist die Menge des inhalierten Tabakrauchs entscheidend für das Risiko einer Erkrankung. Es steigt je nach Rauchverhalten und -dauer auf das Zwei- bis Sechsfache. Als biochemische Ursache werden so genannte aromatische Amine wie das 2-Naphthylamin im Rauch angesehen. Unklar ist, ob strikte Nikotin-Enthaltsamkeit nach dem Auftreten des Krebses die Prognose verbessert.

Auch chronische Entzündungen im Bereich der Blase erhöhen das Risiko für eine bösartige Neubildung. Dazu zählen langjährige Blasensteinleiden und chronische Harnwegsinfekte. Kommt zum Nikotinkonsum der bei Künstlern selten verschmähte Alkohol dazu, ist das Risiko für einen Blasentumor abermals erhöht.

Insgesamt stellt das Blasenkarzinom derzeit die fünfthäufigste bösartige Tumorerkrankung des Menschen dar; Männer erkranken dreimal so oft wie Frauen. Jährlich entdeckt man bei Männern 30 neue Krebsfälle unter 100 000 Männern, bei Frauen liegt diese Zahl mit acht Fällen auf 100 000 Menschen geringer. In absoluten Zahlen heißt das für die Bundesrepublik: 16 000 neue Fälle eines Harnblasenkarzinoms jährlich.

Normalerweise sind die Patienten zwischen 65 und 70 Jahre alt; in den Industrieländern ist Harnblasenkrebs weiter verbreitet als in Entwicklungsländern. Bei der ersten Diagnose wird zu rund 75 Prozent ein oberflächliches Karzinom gefunden. In 20 Prozent der Fälle ist es bereits in den Muskel eingedrungen, in fünf Prozent bereits in andere Körperregionen metastasiert.

Wie sieht Gahans Prognose aus: "Wenn er am 8. Juni schon wieder auf der Bühne stehen will und ihm die Ärzte davon nicht abraten, kann man zu seinen Gunsten davon ausgehen, dass es einstweilen ein oberflächliches, aber eben noch nicht muskelinvasives Karzinom war und die Blase nicht komplett entfernt wurde", vermutet Herbert Sperling, Chefarzt für Urologie an den Kliniken Maria Hilf in Mönchengladbach. Gleichwohl wird Gahan unter steter urologischer Kontrolle leben müssen, denn das Harnblasenkarzinom neigt zum Rezidiv – es kehrt gern wieder.

Möglicherweise trägt Gahan sein "Playing The Angel" künftig mit ehrfürchtigeren Gedanken vor.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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