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Düsseldorf: Der Feinstaub bleibt in den Städten

VON RAINER KURLEMANN UND GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 02:30

Düsseldorf (RP). Die Luft in unseren Innenstädten ist seit 2007 nicht besser geworden. Trotz Schadstoffplakette und Fahrverbot für Autos bleibt die Belastung unverändert hoch: weder die Konzentration an Feinstaub noch die an Stickoxiden ist gesunken – jetzt stehen die Umweltzonen in der Kritik.

Es fällt schwer, große Erfolge im Kampf um bessere Luft in den deutschen Innenstädten zu finden. Das Umweltbundesamt legte gestern wenig ermutigende Zahlen vor: Die Belastung der Bevölkerung durch Stickoxide und Feinstaub hat sich in den vergangenen fünf Jahren trotz aller Maßnahmen kaum verringert. Einzig bei der Ozonbelastung hat sich die Lage verbessert.

Ein Problem bleibt der Feinstaub: Wer in Großstädten verkehrsnah lebt, atmet etwa 50 Prozent mehr Feinstaub ein als die Bevölkerung in eher ländlichen Bereichen. Genau auf die Verbesserung dieses Werts zielten die Umweltzonen, von denen deutschlandweit mittlerweile 54 eingerichtet wurden. Ihre Wirkung darf nach den neuesten Ergebnissen infrage gestellt werden. Der wirklich entscheidende Faktor für die weiter hohen Schadstoffwerte in 2011 ist ein anderer: das Wetter.

Bei etwa einem Fünftel aller Messstationen wurden die Grenzwerte für Feinstaub im Tagesmittel mehr als 35 Tage überschritten – vor allem in den ersten vier Monaten des Jahres 2011 und im November. Desolat die Bilanz für Messstationen in der Nähe von größeren Straßen: 42 Prozent davon meldeten an mehr als 35 Tagen die Überschreitung der Grenzwerte.

Spitzenreiter war die Messstation in Stuttgart-Neckartor, in NRW meldeten die Geräte in Gelsenkirchen, Herne und Duisburg besonders häufig hohe Werte. Das bewerten Mediziner als gefährlich; für Feinstaub gibt es ohnehin keinen echten Grenzwert. Wer die mikrofeinen Partikel einatmet, erhöht sein Risiko, an Krebs zu erkranken.

Hohe Belastungen mit Feinstaub und Stickoxiden haben gravierende gesundheitliche Folgen, sagt NRW-Umweltminister Remmel (Grüne): "Studien zeigen: Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Belastungen durch Feinstaub und Stickstoffdioxid, der Wohnortnähe zu viel befahrenen Straßen und der allgemeinen Sterblichkeit sowie der Todesursache Herz- und Kreislauferkrankungen."

Gemeinsam ist allen Vorfällen jedoch, dass das Wetter die größte Rolle spielt. Ein Hochdruckgebiet, wenig Wind und niedrige Temperaturen begünstigen hohe Feinstaub-Konzentrationen – bei den sogenannten Inversionswetterlagen können die feinen Partikel nicht aus den Städten entweichen. Dort, wo viel Verkehr unterwegs ist, sammeln sich dann Schadstoffe: nicht nur Feinstaub, auch Stickoxide. Wenn dann noch geheizt werden muss, wird es noch schlimmer.

In NRW wird die Luftqualität rund um die Uhr an 70 Stationen systematisch überwacht. Dieses Messnetz betreibt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Ein Sprecher erklärte, ohne die bestehenden Umweltzonen wären die "Probleme deutlich größer". Sicher spielen Autos eine nicht unwichtige Rolle, aber als alleinige Maßnahme greifen sie nicht. Auch Umweltminister Remmel hält "noch große Anstrengungen für erforderlich".

Am Beispiel Berlin hat das Umweltbundesamt ermittelt, dass etwa die Hälfte des Feinstaubs gar nicht aus der Stadt stammt, sondern quasi als "normale Belastung" bereits vorhanden ist. Die andere Hälfte setzt sich dann zu je einem Drittel aus Hausbrand, Autoabgasen und Abrieben zusammen. Die genaue Verteilung variiert: Wenn die Bürger stärker mit Gas oder Fernwärme heizen, sind die Werte niedriger als in Städten, wo viel Holz verbrannt wird.

In der Stickoxid-Bilanz sollte die Verbannung der umweltschädlichen Autos aus den Innenstädten schon eher eine Rolle spielen. Sie sind die wichtigste Quelle von Stickoxiden. Doch auch hier zeigen Umweltzonen nur wenig Wirkung.

Quelle: RP


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