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Briten legen Aschegrenzwert vor

VON REINHARD KOWALEWSKY UND JÖRG ZITTLAU - zuletzt aktualisiert: 24.04.2010 - 02:30

Die britische Luftfahrtbehörde CAA hat als erste Grenzwerte bestimmt, die angeben, ab welcher Aschekonzentration in der Luft Fliegen gefährlich ist. Grundlage sind Testflüge und Turbinenexperimente am Boden. Ergebnis: Die Sperrung des Europäischen Luftraums war unnötig.

Chaos an den Flughäfen, Milliardenverluste für die Wirtschaft – war das alles unnötig? Der Verdacht erhärtet sich, dass die rigiden Sperrungen des Luftraums überflüssig waren. Das große Problem an Eyjafjöll ist bislang weniger der Vulkan selbst als vielmehr das Fehlen verbindlicher Grenzwerte, ab denen der Flugverkehr eingestellt werden muss. Deswegen hat nun erstmalig eine Luftfahrtbehörde, nämlich die britische Civil Aviation Authority (CAA), versucht, diese Lücke zu schließen. Die neuen Grenzwerte der britischen Luftfahrtwächter lassen jedoch im Nachhinein die Sperrung des Luftraums als überflüssig erscheinen. Den neuen Werten zufolge liegt die Grenze, ab der es gefährlich wird, 20 Mal höher als der Gehalt, der während des Flugverbots über fast ganz Europa herrschte.

Laut CAA sind Aschemengen bis 2000 Mikrogramm pro Kubikmeter als unbedenklich einzustufen. Die Wolke des isländischen Vulkans kam hingegen nur selten über 100 Mikrogramm Gramm hinaus, die Spitzenwerte lagen – örtlich und zeitlich – begrenzt bei 400 Mikrogramm. Messungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ergaben für den Raum Leipzig nur 60 Mikrogramm auf einen Kubikmeter. Grundlage für die Einschätzung der CAA bilden Testflüge, die man – wie die deutschen Luftaufsichtsbehörden – während der Luftraumsperrung durchführte.

Außerdem hat man am Boden aktive Turbinen mit unterschiedlichen Aschemengen "gefüttert", um ihre Belastungsgrenzen zu ermitteln. Zudem betont CAA-Sprecher Richard Taylor, sei man bei der Festlegung der Grenzwerte "sehr konservativ" vorgegangen. Sie lägen beispielsweise weit unterhalb der Aschekonzentrationen, die 1982 beim großen Vulkanausbruch in Indonesien das komplette Antriebssystem eines Jumbo-Jets zum Kollaps brachten.

Der neue Grenzwert von 2000 Mikrogramm bedeutet, dass ein Flugzeug von der Größe eines Airbus A320 bei einem zehnminütigen Steigflug etwa ein Kilogramm Asche pro Triebwerk aufnehmen darf. Diese Mengen sollten in der Regel unschädlich sein, die CAA betont aber auch, dass sie nicht zwangsläufig ein Nullrisiko bedeuten. Die Behörde mahnt daher die Fluggesellschaften, ihre Maschinen nach jeder Reise durch die belastete Zone sorgfältig zu überprüfen. Dass diese Mahnung begründet ist, zeigt der Flug eines Nato-Kampfjets, den man am Sonntag zu Testzwecken über Europa fliegen ließ. In dem Triebwerk der F-16 wurden anschließend zahlreiche glasartige Partikel gefunden, die vermutlich aus der Vulkanasche stammten.

Die geschmolzenen Partikel gelten als Triebwerkkiller, weil sie die Turbinen und Düsen verkleben können. Allerdings erreichen Passagierflugzeuge in der Regel nicht die Betriebstemperaturen eines Kampfjets. Abzusehen ist, dass die Grenzwerte der CAA für Europa verbindlich werden. Das Luftfahrtbundesamt (LBA) verweist zwar auf Testflüge des Zentrums für Luft- und Raumfahrt, die man für die eigene Beurteilung heranziehen werde. Aber gestern abend teilte das LBA unserer Zeitung per Mail mit, dass man in "geringfügig" belasteten Gebieten fliegen könne. Dazu wird per Online-Link auf neue Landkarten des Londoner Vulkan-Beratungszentrums" verwiesen.

Info "Bilder der Aschewolke unter www.rp-online.de/panorama"

Quelle: Rheinische Post

 
 
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