"Zeitungen sind unschlagbar"
VON VICTOR HENLE - zuletzt aktualisiert: 30.06.2010 - 02:30Köln Wie entwickeln sich die Zeitungen in der Zukunft? Darüber diskutierten gestern Wissenschaftler und Medienmacher auf dem Medienforum in Köln. Der Verleger der "Vorarlberger Nachrichten", Eugen Russ, wollte sein Haus schon nicht mehr als reinen Zeitungsverlag bezeichnen. Zugleich schwärmte er von der Zeitung als unschlagbarem Überblickmedium, das Zukunft und eine "unverwechselbare DNA" habe.
Einmütigkeit herrschte in einer Diskussionsrunde, dass die hochwertigen Online-Angebote der Zeitungen auf Dauer nicht mehr frei verfügbar sein können. Christian Nienhaus, WAZ-Geschäftsführer und Vorsitzender des NRW-Zeitungsverlegerverbandes, brachte es auf die Kurzformel: "Alles kostenlos geht nicht." Das gelte auch für lokale und regionale Angebote, gerade weil sie Inhalte böten, die gesichtet, verifiziert und sortiert sind. Das erfordere journalistische Professionalität. Daher sei es unerlässlich, weiter in Journalismus zu investieren. Sonst drohten, wie auch Professor Stephan Weichert von der Hamburger Hochschule für Medien und Kommunikation formulierte, "parajournalistische Verhältnisse im Internet".
Nienhaus kritisierte auch die schrankenlose Expansion von ARD und ZDF im Internet. Ein "unkritisches Durchwinken textlastiger Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet durch die Aufsichtsgremien beeinträchtigt nachhaltig die Entwicklungsperspektiven der privaten Medien". Ähnlich äußerte sich John Kornblum, der ehemalige US-Botschafter in Deutschland. Nach Kornblums Ansicht sind die Online-Angebote von ARD und ZDF eigene Zeitungen, weshalb sich ihm die Frage stelle, warum sie mit öffentlichen Geldern finanziert werden müssten.
Nienhaus fordert ein eigenes Leistungsschutzrecht für Presseverlage. "Unternehmen wie Google leben davon, systematisch unsere Inhalte abzugreifen. Deswegen brauchen wir ein eigenes Leistungsschutzrecht, um unser Eigentum zu schützen."
Alan Rusbridger, Chefredakteur der renommierten britischen Tageszeitung "The Guardian", beurteilte das Internet als für die Zeitungen alarmierend und inspirierend zugleich – und betonte die Chancen. In der zerfaserten Welt des Internets hätten die Online-Zeitungen die Aufgabe, es zu verbinden. Dafür müssten die Zeitungen dem Netz offen begegnen, Teil von ihm werden und sich den Kurs nicht von Google diktieren lassen, so Rusbridger. Vor allem aber gelte es, kompetente und engagierte Leser einzubeziehen.
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