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Wie Eon und RWE  Jobs streichen

VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 05.12.2011 - 02:30

Nur auf wenige Proteste stößt RWE mit dem neuen Programm, 8000 Stellen insgesamt zu streichen, wogegen bei Eon sogar Streiks drohen. Wo sind sich die beiden Konzerne sehr ähnlich, wo unterscheiden sie sich fundamental?

Essen/Düsseldorf Die Nachricht, dass RWE-Chef Jürgen Großmann insgesamt 8000 Stellen im Konzern zur Disposition stellt, wurde am Wochenende von allen Nachrichtenagenturen und Online-Medien aufgegriffen – doch Proteste gibt es praktisch keine. "Solange es sozialverträglich bleibt", sagt ein RWE-Manager, "lassen sich solche Dinge anscheinend relativ ruhig klären."

Ganz anders als sieht es bei Eon in Düsseldorf aus. Bis zu 11 000 Stellen will Vorstandschef Johannes Teyssen streichen – doch weil er Standorte weitgehend abbaut und betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließt, drohen Streiks. "Wir wollen einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung aushandeln", sagt Verdi-Sekretär Sven Bergelin, "die Gespräche sind schwierig."

Zwei Konzerne, zwei Welten und och viele Gemeinsamkeiten: So sieht die Realität in den zwei größten Stromkonzernen Deutschlands aus. Dabei sind einige der Grundfakten einfach zu verstehen.

Eon räumt radikaler auf, weil der Konzern härter durch den Atom- ausstieg der Bundesregierung getroffen wird. Kommen bei Eon hierzulande rund 40 Prozent des Stroms aus Kernenergie, sind es bei RWE nur ein Viertel.

Gleichzeitig nutzt Eon die Atomwende, um mit anderen Baustellen aufzuräumen: Eon ist zu einem sehr wichtigen Teil die frühere Veba erweitert durch die Münchener Bayernwerk AG – doch um diese Übernahme hinzukriegen, wurden anfangs sehr weitgehende Standortzusagen für München gemacht. Tempi passati, jetzt wird München fast schon dichtgemacht, die Jobs für das deutsche Energiegeschäft ("Eon Deutschland") wandern nach Essen.

Gleichzeitig hat Eon das Sonderproblem, mit dem Zukauf Ruhrgas aufräumen zu wollen – dies geschieht, indem die Jobs von Eon Ruhrgas an Standorte wie auch Düsseldorf verlagert werden. Als Ergebnis gibt es Eon Ruhrgas nicht mehr als eigenständige Einheit, gut für die konzerninterne Machtpolitik, gut um Geld zu sparen.

Ebenso wichtig ist die verschiedene Aktionärsstruktur. Eon muss die Gewinne unbedingt stabilisieren, da mangels Großaktionär die Übernahme und Zerschlagung droht. Schon vor einem Jahrzehnt wurde Vorgängerkonzern Veba aus Angst vor solchen Szenarien komplett umgebaut, jetzt könnte Eon ins Visier von ausländischen Konzernen kommen. Der Börsenwert liegt mit 36 Milliarden Euro rund 60 Prozent unter dem Stand vor vier Jahren. RWE ist zwar genauso abgestürzt, doch weil die Kommunen ein Sechstel der Anteile halten, ist eine Übernahme schwierig.

Trotz dieser Unterschiede ist von Schongang bei RWE keineswegs die Rede: Es ist schon ein extremer Einschnitt, wenn die Belegschaft ganzer Kernkraftwerke gehen muss. Und auch der Verkauf vieler Firmenteile schmerzt.

Hinzu kommt, dass RWE auf Dauer noch größere Probleme drohen als Eon: Einerseits hat es Eon erfolgreicher geschafft, regenerative Energien als Zukunftsfeld aufzubauen – RWE holt unter Führung des renommierten Windenergie-Experten Fritz Vahrenholt allerdings schnell auf.

Andererseits kann sich bei RWE die größte Stärke in eine Schwäche verwandeln: Jede dritte Kilowattstunde entsteht aus Braunkohlekraftwerken – was RWE einen großen Kostenvorteil gibt. Doch beim Verfeuern von Braunkohle entsteht mehr CO2 als bei jeder anderen Stromproduktion. Falls also die Preise für CO2-Zertifikate wie von der EU gewollt massiv ansteigen, verliert RWE deutlich an Wettbewerbsfähigkeit. Das Ergebnis: das nächste Sparprogramm.

Quelle: RP


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