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Warum Frauen weniger verdienen

VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 06.03.2010 - 02:30

Pünktlich zum Weltfrauentag am 8. März zeigt eine Untersuchung: Gerade in Deutschland verdienen Frauen schlechter als Männer. Doch während das Resultat klar ist, streiten sich Experten über die Gründe.

Zumindest Deutschlands erste Frau hat mit Diskriminierung am Arbeitsplatz kein Problem: Als Bundeskanzlerin verdient Angela Merkel mit der Besoldungsgruppe B11 plus Zulagen genau soviel wie Amtsvorgänger Gerhard Schröder bei gleichem Lebensalter bekommen hätte – also 16  000 Euro im Monat. Und doch zeigt sich im Verhältnis zu Stellvertreter Guido Westerwelle, warum das weibliche Geschlecht häufig weniger Geld auf ihr Konto bekommt als Männer: Der FDP-Chef kämpft laut um jeden Vorteil - die Kanzlerin gibt sich eher versöhnlich. Westerwelle füllte sich als Oppositionschef noch die Tasche mit Nebenjobs als Redner für Unternehmen oder Verbände – ein solcher Erwerbstrieb ist von Merkel unbekannt.

Eine gestern vorgestellte Untersuchung zeigt, dass ungeachtet des guten Verdienstes der Kanzlerin das weibliche Geschlecht noch immer deutlich weniger verdient als das männliche. Der Bruttostundenverdienst von Frauen lag laut Statistischem Bundesamt in 2008 23,2 Prozent unter dem von Männern. Damit ist die Lohnlücke noch größer als in den Vorjahren: 2007 lag sie bei 23,0 Prozent, 2006 betrug sie 22,7 Prozent.

Gleichzeitig liegt der Verdienstabstand in Deutschland auch deutlich über dem Durchschnitt in der Europäischen Union, der 18,0 Prozent beträgt. Größer als in Deutschland ist das Gefälle beim Bruttostundenverdienst nur noch in Estland (letzter Wert von 2007 30,3 Prozent), Tschechien (26,2 Prozent), Österreich (25,5 Prozent) und den Niederlanden.

Die Frage ist nun, woher die Unterschiede kommen. Es liegt an gezielter Diskriminierung, meinen radikale Frauenrechtlerinnen. EU-Kommisssarin Viviane Reding überlegt, Firmen zu gleichberechtigter Bezahlung zu zwingen.

Tatsächlich hat die schlechte Bezahlung von Frauen mehrere Gründe: Sie haben häufiger soziale oder künstlerische Berufe gelernt – Männer wählen eher "harte" Berufsbilder aus Technik oder Wirtschaft, die meist mehr Geld bringen. Frauen unterbrechen ihr Berufsleben oft wegen der Kinder – Männer dagegen noch selten. Und Frauen sind weniger entschlossen, für ein gutes Gehalt zu kämpfen – Männer sehen ein volles Konto dagegen als Teil ihres Selbstbildes.

"Frauen, das dämliche Geschlecht", polemisiert denn auch die Buchautorin Barbara Bierach gegen ihre Geschlechtsgenossinnen. Sachlicher bringt die Kölner Psychologin und Karriereberaterin Rosemarie Bender das Problem im Gespräch mit unserer Zeitung auf den Punkt: "Frauen treten oft zu bescheiden auf. Sie trauen sich zu selten, mal auf den Tisch zu hauen. Und sie planen ihr Berufsleben weniger ökonomisch als Männer."

Was bleibt zu tun? Die Politik ist gut beraten, die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung auszubauen – das hilft, zu lange Berufspausen von Frauen zu vermeiden. Junge Frauen sollten sich weniger als früher darauf verlassen, dass ihr Ehemann ihr zu niedriges Gehalt ausgleicht, und entsprechende Jobs wählen. Und Firmen sollten prüfen, ob sie Kolleginnen manchmal doch benachteiligen – und das korrigieren.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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