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VW-Übernahme: Porsche bremst

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 27.11.2008

Der aktuelle Höhenflug der VW-Aktie ist dem Sportwagenbauer nicht geheuer. Er verschiebt den Zeitplan für die Mehrheitsübernahme. Außerdem bekommt inzwischen selbst Porsche die Folgen der Wirtschaftskrise zu spüren.

Stuttgart. Jetzt hat die große Auto-Krise auch den profitabelsten Autobauer der Welt erreicht: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking räumte gestern einen einbrechenden Absatz ein, wollte keine Prognose mehr für das laufende Geschäftsjahr riskieren und kündigte auch noch ein umfassendes Sparprogramm an. Aber die schlechten Nachrichten gingen gestern beinahe unter in der wohl dicksten Schlappe, die die lebende Manager-Legende Wiedeking gestern in ihrer bisherigen Karriere einräumen musste: Der spektakuläre Plan zur Übernahme von VW gerät ins Stocken. Ausgerechnet auf der Zielgeraden.

Eigentlich wollte Porsche den 15 mal größeren Konzern bis Ende diesen Jahres mehrheitlich besitzen – dafür fehlen ihm auch nur noch 7,4 Prozent plus eine Stimmaktie. Ein Witz im Vergleich zu den 42,6 Prozent, die Porsche innerhalb der letzten drei Jahre auf seine Seite gebracht hat. Dass der Konzern vor dieser vergleichsweise kleinen Hürde jetzt bremsen muss, zeigt, wie groß die Angst sein muss, die man in Zuffenhausen vor der gegenwärtigen Krise hat: Es werde „zunehmend unwahrscheinlicher, dass wir dieses Ziel noch in diesem Kalenderjahr erreichen können oder werden“, musste Wiedeking gestern einräumen.

An dem grundsätzlichen Plan zur Übernahme rüttelte Wiedeking gestern aber noch nicht – noch plant Porsche, im Laufe des kommenden Jahres 75 Prozent an VW zu halten, und die Wolfsburger damit zu beherrschen. Aber „ein Schachspiel kann auch schon einmal länger gehen“, versuchte Wiedeking die Lage nicht allzu dramatisch klingen zu lassen.

„Vor allem beim Einstiegsmodell Boxster brechen Porsche die Erlöse weg“, interpretierte Andreas Maurer von Boston Consulting gestern gegenüber unserer Zeitung die aktuellen Porsche-Zahlen, „und das ist leider genau das Auto, das ein junger Banker sich nach seinen ersten Erfolgen gerne gönnt.“ Da gerade Banker derzeit aber keine Erfolge feiern, bekommt Porsche die Branchenkrise vielleicht sogar unmittelbarer als andere Autobauer zu spüren: In den ersten vier Monaten des aktuellen Geschäftsjahres lag der Porsche-Umsatz nur noch bei zwei Milliarden Euro nach 2,36 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Absatz sank von 30 700 auf 25 200. Man gehe nicht mehr davon aus, den für das laufende Geschäftsjahr angepeilten Absatz von 98  652 Autos zu erreichen. Vor allem in den USA, dem für Porsche wichtigsten Markt, sei die weitere Entwicklung „kaum noch zuverlässig kalkulierbar“, sagte Wiedeking.

Im vergangenen Jahr hatte Porsche als erstes deutsches Unternehmen noch mehr Gewinn als Umsatz ausweisen können: 8,57 Milliarden Euro vor Steuern, wie Wiedeking gestern bereits bekannte vorläufigen Zahlen bestätigte. Der Bau und Verkauf von Sportwagen hatte daran lediglich einen Anteil von rund einer Milliarde Euro – den Rest des Gewinns verdankt Porsche dem phänomenalen Kursanstieg der VW-Aktie, die vor wenigen Wochen bei Kursen von 1000 Euro lag, weshalb VW sich für ein paar Tage als teuerstes Unternehmen der Welt fühlen durfte.

Genau dieser Kursanstieg ist Porsche jetzt aber offenbar nicht mehr geheuer: Derzeit kostet die VW-Aktie rund 260 Euro, Porsche bewertet die bisher gekauften VW-Aktien in den eigenen Büchern aber lediglich mit 117 Euro. Offenbar spekuliert Wiedeking auf einen deutlichen Kurseinbruch bei VW, um dann weiter zuzukaufen.

Aus dem gestern veröffentlichten Geschäftsbericht geht hervor, dass die sechs Porsche-Vorstände für das abgelaufene Geschäftsjahr 143,5 Millionen Euro an Vergütungen erhalten haben. Im Jahr davor waren es 112,7 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren hatte Porsche seinen 11 571 Mitarbeitern um die Weihnachtszeit stets ein paar Tausend Euro extra zukommen lassen. Diese Prämie wackelt jetzt. Aber immerhin will Porsche trotz Krise keine Jobs abbauen.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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