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Teure Hilfe für Griechenland

VON ANJA INGENRIETH UND BIRGIT MARSCHALL - zuletzt aktualisiert: 13.04.2010 - 01:30

Deutschland will Athen bis zu 8,4 Milliarden Euro borgen. Das sind 100 Euro pro Einwohner. Die Finanzmärkte reagierten erleichtert auf das Rettungspaket. Der Euro legte zu. Der Steuerzahlerbund übte scharfe Kritik.

Berlin/Brüssel Der Pleite-Kandidat Griechenland atmet auf: Die überraschend üppige Hilfszusage der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat Athen die erhoffte Verschnaufpause an den Finanzmärkten verschafft – vorerst zumindest. Die Risikoprämie für zehnjährige griechische Staatsanleihen sank auf 6,5 Prozent, nachdem sie am Donnerstag auf den Rekordstand von 7,5 Prozent gestiegen war.

Für Hilfe stellen die Euro-Partner bis zu 30 Milliarden Euro und der IWF zusätzlich bis zu 15 Milliarden Euro bereit. Diese 45 Milliarden Euro sind größer als der gesamte Refinanzierungsbedarf Griechenlands für 2010. Für die Kredite der Euro-Länder müsste Griechenland fünf Prozent Zinsen zahlen, für die IWF-Kredite etwas mehr als drei Prozent. Wählen zwischen beiden Angeboten kann Athen nicht, wie die EU-Kommission bekräftigte: Die Hilfe gibt es nur im Paket.

Von der Hilfe der Euro-Länder trägt Deutschland im Notfall den Löwenanteil und würde Kredite von bis zu 8,4 Milliarden Euro übernehmen (siehe Grafik). Dies entspricht dem deutschen Anteil am Kapital der Europäischen Zentralbank (EZB) von rund 27 Prozent. Rein statistisch müsste also jeder Bundesbürger dem griechischen Staat 100 Euro leihen.

Als Kreditgeber würde die staatliche Förderbank KfW auftreten, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Der Bund würde die Kreditsumme garantieren. Die Bundesregierung geht aber weiterhin davon aus, dass sich Athen in den nächsten Monaten ohne fremde Hilfe am Kapitalmarkt refinanzieren kann. Sollten die Kredite tatsächlich ausgereicht werden, würde dies den Bundeshaushalt nicht belasten. Allerdings trüge der deutsche Staat das Ausfallrisiko. Andererseits könnte der Staat beim vereinbarten Zinssatz für die Notkredite von rund fünf Prozent pro Jahr Zinseinkünfte von bis zu 420 Millionen Euro erwarten.

Einer Kreditauszahlung müssten die Finanzminister aller Euro-Länder erst zustimmen, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmanns. Auch der Haushaltsausschuss des Bundestags müsste seinen Segen geben. "Dass jetzt ein Feuerlöscher an der Wand hängt, sagt überhaupt nichts über die Wahrscheinlichkeit eines Brandes", betonte Steegmanns.

Der Steuerzahlerbund übte dennoch scharfe Kritik. Die Bundesregierung sei eingeknickt, und nun müssten die deutschen Steuerzahler den größten Teil des Hilfspakets schultern, sagte dessen Chef Karl Heinz Däke. "Es ist nicht hinnehmbar, dass auf diese Weise die fahrlässige Wirtschafts- und Finanzpolitik Griechenlands auch noch belohnt wird", hieß es in Berlin.

Die Anleger an den Finanzmärkten reagierten zunächst erleichtert. Der Dax kletterte am Morgen um 0,6 Prozent auf 6285 Punkte und lag damit so hoch wie seit September nicht mehr. Die griechische Börse reagierte mit Kursgewinnen von rund fünf Prozent. Der Euro-Kurs erholte sich und legte von 1,34 Dollar auf 1,37 Dollar zu.

Heute will Griechenland offenbar die Gunst der Stunde nutzen und versuchen, eine neue Anleihe auf den Markt zu bringen, um sich neues Geld zu beschaffen. Soll man jetzt griechische Staatsanleihen kaufen? Ja, wenn man risikobereit ist und nicht an eine Zahlungsunfähigkeit Athens glaubt, sagt Chefvolkswirt Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse. Die Rendite läge eben deutlich höher als die für deutsche Anleihen. Doch eine Garantie für die dauernde Zahlungsfähigkeit Athens gibt es nicht.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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