München: Teuerstes Katastrophenjahr
VON JAN DREBES - zuletzt aktualisiert: 05.01.2012 - 02:30München (RP). Die Erdbeben in Japan und Neuseeland machen 2011 zum Jahr der teuersten Naturkatastrophen aller Zeiten. Der Rückversicherer Munich Re beziffert weltweit die Schäden auf 380 Milliarden US-Dollar. Jetzt steigen die Prämien.
Noch nie sind in einem Jahr mehr Kosten durch Naturkatastrophen entstanden als 2011. Das teilte der weltgrößte Rückversicherer Munich Re gestern mit. Demnach summierten sich die volkswirtschaftlichen Schäden weltweit auf 380 Milliarden US-Dollar. Das entspricht etwa 292 Milliarden Euro. Allein in Japan verursachten das Erdbeben und der Tsunami vom 11. März etwa 210 Milliarden Dollar Schäden. Damals ereignete sich die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten. Bisher war 2005 das Rekordjahr mit rund 220 Milliarden US-Dollar Schadensumme gewesen. Vor sechs Jahren war vor allem der Hurrikan "Katrina", der New Orleans verwüstet hatte, dafür verantwortlich gewesen.
Dass die Zahl der Todesopfer bei den Naturkatastrophen im vergangenen Jahr deutlich zurückging, liegt vor allem daran, dass 2010 allein in Haiti etwa 220 000 Menschen ums Leben kamen. Obwohl vor allem solche Erdbeben wie im Pazifik 2011 und in den Vorjahren für die meisten Toten und höchsten Schadensummen sorgten, ist die Erdbeben-Wahrscheinlichkeit in den vergangenen Jahrzehnten nicht eklatant gestiegen. Das betont Professor Peter Höppe, Leiter der Georisiko-Forschung der Munich Re. Dagegen hat sein Kollege Ernst Rauch vom Munich Re-Klimacenter für wetterbedingte Naturkatastrophen beobachtet, dass die Anzahl etwa von Überflutungen und Stürmen sich in den vergangenen 30 Jahren sogar verdreifacht hat. "Dieses Indiz spricht dafür, dass künftig die Schäden auch durch den Klimawandel zunehmen werden", sagt Rauch. Und so rechnet er damit, dass es alle fünf bis zehn Jahre zu Naturereignissen mit extremen Schadensummen kommen wird.
Versicherer zahlen 105 Milliarden
Auch für die Versicherungswirtschaft war das abgelaufene Jahr so teuer wie noch nie. Mit 105 Milliarden Dollar übertrafen die versicherten Schäden den bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2005 um etwa vier Milliarden Dollar. Allein auf die Katastrophe in Japan entfielen 35 Milliarden bis 40 Milliarden Dollar. Rückversicherer müssten daraus lernen, sagt Torsten Jeworrek, im Vorstand von Munich Re für das weltweite Rückversicherungsgeschäft zuständig. "Es ist die Aufgabe der Versicherungswirtschaft, auch für extreme Schäden aufzukommen, damit einen Beitrag zu deren Bewältigung zu leisten und aus den Ereignissen zu lernen, um die Menschheit besser vor den Folgen der Naturgewalten zu schützen."
Einer dieser Lernschritte müsse sein, dass auch ein Restrisiko als realistisch eingestuft werde, sagt Rauch. "Außerdem muss erkannt werden, dass die Verwundbarkeit der Weltbevölkerung durch Naturkatastrophen zunimmt. Es gibt immer mehr Menschen und immer mehr Versicherungswerte auch in gefährdeten Regionen."
Die Folge der extremen Schadenhöhen: Die Erstversicherer wappnen sich in den Folgejahren meist stärker gegen Risiken. So ist zu erwarten, dass die Prämien in bestimmten Risikogruppen wie wetterbedingten Naturkatastrophen steigen werden. Rauch: "Auch eine Rückversicherung muss die Prämienhöhe anpassen, wenn sich Risiken ändern."
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