Bern: Schweiz koppelt Franken überraschend an den Euro
VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 07.09.2011 - 02:30Bern (RP). Die Schweizer Notenbank geht massiv gegen den Höhenflug des Franken vor. Sie kündigte gestern überraschend an, die Schweizer Währung fest an den Euro zu koppeln. Sie will durch entsprechende Währungsgeschäfte für einen Wechselkurs von mindestens 1,20 Franken pro Euro sorgen.
Warum machen die Schweizer das?
Der Wert des Franken hat sich seit Beginn der Schulden-Krise um ein Viertel erhöht. Mit jeder Zuspitzung waren mehr Anleger aus dem Euro aus- und in den Franken eingestiegen. Das verteuerte Schweizer Waren im Ausland. Allein die Käsehersteller etwa leben aber zur 40 Prozent vom Export. Auch für Touristen aus Euro-Ländern wurde Urlaub in den Bergen immer teuerer und unattraktiver. Schweizer Hoteliers klagten über starke Umsatzeinbußen. Zugleich strömten immer mehr Schweizer zum Einkauf ins günstige Euro-Ausland. Die Schweizer Wirtschaft blieb auf ihren Waren sitzen. Die Verbraucherpreise fielen im August gar um 0,3 Prozent. Die Wirtschaft stagnierte.
Wie sorgen die Schweizer nun für einen festen Kurs?
"Die Nationalbank ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen", teilte sie gestern mit. Das heißt: Sie wird nun immer dann Euros kaufen und Franken verkaufen, wenn der Wert ihrer Währung zu steigen droht. Die Schweizer Notenbank hat tiefe Taschen, sprich: reichlich Geldvermögen, und kann auch eigenes Geld drucken. Wenn es dabei zu etwas Inflation käme, wäre ihr das sogar Recht. Vor allem setzt die Notenbank darauf, dass schon ihre entschlossene Ankündigung reicht, um Spekulanten und verängstigte Anleger davon abzuhalten, weiter in den Franken zu investieren.
Es ist auch nicht das erste Mal, dass die Schweizer Nationalbank (SNB) derart eingreift. Als die Ölkrise in den 1970er Jahre schon einmal viele Anleger in Schweizer Geld flüchten ließ, hatte die Nationalbank sehr große Mengen an Devisen gekauft, um den Wert ihrer Währung zu drücken. Mit Erfolg.
Welche Folgen hat die Aktion für Euro und Goldpreis?
Die Reaktion der Finanzmärkte fiel zunächst erwünscht aus: Der Euro stieg prompt – von 1,11 Franken auf 1,20 Franken. Ebenso stieg der Euro-Kurs in Dollar – auf 1,42. Sogar der Börsenindex Dax legte zu. Später gab der Dax dann wegen neuer Sorgen um die Eurozone wieder nach. Dass der Franken als Fluchtwährung etwas unattraktiver wird, treibt jedoch den Preis für den anderen vermeintlich sicheren Hafen, das Gold, weiter an.
Welche Folgen hat die Aktion für deutsche Touristen und Betriebe?
Für deutsche Touristen ist die Ankündigung der Notenbank gut. Wenn die Rechnung der SNB aufgeht, wird für die Deutschen der nächste Ski- oder Wanderurlaub wenigstens nicht noch teurer werden. Auch der Anstieg der Preise für Uhren, Schmuck und andere Klassiker der Exportnation Schweiz wird durch die Aktion gebremst. Und wenn die Schweizer Wirtschaft wieder stärker wächst, ist das auch gut für deutsche Exporteure.
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