Minister rät: Stromanbieter wechseln
VON THORSTEN BREITKOPF UND CHRISTIAN DICK - zuletzt aktualisiert: 30.12.2010 - 02:30Zum 1. Januar erhöhen etliche Versorger ihre Preise. Dabei haben sie zumindest 2009 pro Kilowattstunde mehr verdient. Das Kartellamt prüft dieses Vorgehen. Verbraucher können sofort bares Geld sparen, wenn sie den Stromanbieter wechseln. Wir zeigen, wie einfach das ist.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat die Verbraucher angesichts steigender Strompreise zum Anbieterwechsel aufgefordert. "Wettbewerb kann nur funktionieren, wenn die Verbraucher ihre Rolle als Marktteilnehmer aktiv wahrnehmen", sagte Brüderle. "Bei Preiserhöhungen heißt das, auch über Anbieterwechsel nachzudenken. Denn häufig kann man mit einem Anbieterwechsel gutes Geld sparen – und dem Wettbewerb wichtige Impulse geben." Wir fassen die wichtigsten Fragestellungen zusammen.
Wie viele Versorger erhöhen die Preise?
Für den 1. Januar haben dem Verbraucherportal Verivox zufolge 578 Stromversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich sieben Prozent angekündigt. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeutet das jährliche Mehrkosten von durchschnittlich 66 Euro. Für Februar haben demnach weitere 52 Stromversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich acht Prozent angekündigt. (Versorger in der Region: siehe Tabelle rechts)
Wie wechselt man den Anbieter?
Wichtig ist es, zuerst den eigenen Energieverbrauch zu ermitteln. Er findet sich auf der letzen Jahresrechnung des bisherigen Strom- oder Gasversorgers. Mit dieser Information kann man sich dann auf Internet-Vergleichsportalen wie Verivox, toptarif.de, check24.de oder wer-ist-billiger.de einen Überblick über die Preise der Anbieter am eigenen Wohnort verschaffen.
Lohnt sich ein Wechsel wirklich?
Ja, zumindest sehr häufig. Das zeigt der aktuelle Monitoring-Bericht der Bundesnetzagenur. Durchschnittlich liegen die Einsparmöglichkeiten danach bei Gas meist bei über 120 Euro im Jahr, Stromkunden können häufig sogar rund 160 Euro im Jahr weniger bezahlen. Nicht immer muss man zum Sparen wirklich den Lieferanten wechseln. Häufig reicht schon eine Anfrage bei dem altvertrauten Versorger, um günstigere Konditionen zu bekommen. Generell gelte die Regel: "Wer fragt, zahlt weniger. Wer den Versorger wechselt, spart noch mehr", erklärt Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur.
Worauf muss ich dabei achten?
Wichtig sind die Vertragslaufzeiten, aber auch die Kündigungsfristen etwa bei Umzug oder Preissteigerungen. Auch Preisgarantien und Preisanpassungsklauseln sollte man im Blick haben. Besonders kritisch sollten Verbraucher nach Einschätzung der Bundesnetzagentur Vorkasse-Angebote prüfen. Denn wird der Energielieferant insolvent, könnten die im Voraus geleisteten Zahlungen verloren gehen.
Wie funktioniert die Kündigung?
Das ist einfach. Der neue Energielieferant erledigt im Regelfall nach Vertragsabschluss alle Formalitäten. Er kündigt den Liefervertrag beim alten Gasversorger und berücksichtigt dabei auch die jeweiligen Kündigungsfristen.
Warum wird Strom teurer?
Die meisten Anbieter begründen das mit höheren Umlagen für Ökostrom, mit denen der Ausbau Erneuerbarer Energien gefördert werden soll. "Gerade die Kosten, die die Verbraucher für Strom aus Photovoltaik tragen müssen, dürfen nicht durch die Decke gehen", sagte Brüderle dazu. Bei der geplanten Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im kommenden Jahr werde dieses Thema eine Rolle spielen. Außerdem sollen die Instrumente gegen missbräuchliches Handeln im Strom- und Gasgroßhandel verbessert werden. "Wir arbeiten intensiv an der Einrichtung einer Markttransparenzstelle beim Bundeskartellamt, um Manipulationen im Großhandel mit Strom und Gas effektiv ausschließen zu können", sagte der FDP-Politiker.
Was verdienen die Versorger?
Die deutschen Stromversorger haben 2009 erstmals mehr als zehn Cent je Kilowattstunde Strom erlöst. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, stieg der Durchschnittserlös für Stromlieferungen an Sondervertragskunden gegenüber 2008 um 15,8 Prozent auf 10,49 Cent je Kilowattstunde. Den starken Anstieg führten die Statistiker auf die längeren Laufzeiten der Lieferverträge und die darin vereinbarten Preise zurück.
Was unternimmt das Kartellamt?
Das Kartellamt geht Manipulationsvorwürfen bei den Strompreisen nach. Wie ein Sprecher sagte, untersucht das Bundeskartellamt seit einigen Monaten, ob die deutschen Energiekonzerne zu Spitzenzeiten gezielt Kraftwerke abschalten, um den Strompreis in die Höhe zu treiben. Die Stromproduktion in Deutschland wird im Viertelstundentakt kontrolliert.
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