Mehr Frauen in die Dax-Konzerne
VON ANTJE HÖNING, CHRISTIN NÜNEMANN UND EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 29.03.2011 - 02:30Morgen kommen die Personalchefs der 30 Dax-Konzerne in Berlin zusammen. Sie wollen den Frauenanteil in den Chefetagen erhöhen. Eon-Vorstand Regine Stachelhaus: Wir brauchen keine Quote, sondern mehr Kita-Plätze.
Berlin/Düsseldorf Die Bundesregierung macht Druck beim Thema Frauen in Führungspositionen: Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) trifft sich morgen mit den Personalvorständen und Arbeitsdirektoren der Dax-30-Unternehmen, um "praxistaugliche Instrumente" zu diskutieren, mit denen der Anteil an Frauen in Führungspositionen "nachhaltig" erhöht werden könne, sagte ein Ministeriumssprecher. Von der Bundesregierung werden auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (beide FDP) teilnehmen.
Das Problem: In Deutschlands Spitzen-Unternehmen sind Frauen immer noch stark unterrepräsentiert. Nur fünf der 189 Dax-Vorstände sind weiblich, und damit weniger als 2,7 Prozent. Dabei zeigen manche Unternehmen guten Willen: Sie bieten in ihren Betrieben Kinderbetreuung an, unterstützen Mentoring-Programme und machen Teilzeit und Telearbeit für junge Mütter möglich. Sieben Dax-Unternehmen haben sich sogar bereits selbst eine Frauenquote auferlegt (siehe Grafik).
Allen voran die Deutsche Telekom: Bis zum Jahr 2015 sollen hier im oberen und mittleren Management 30 Prozent Frauen beschäftigt sein. Der Düsseldorfer Energieriese Eon will den Anteil seiner weiblichen Führungskräfte in allen Bereichen verdoppeln. Derzeit sind nur elf Prozent der Führungskräfte weiblich.
Trotz aller Bemühungen rücken Frauen aber nur langsam in die Chefetagen der Dax-Konzerne vor. Einige Experten machen dafür "ungeschriebene Gesetze" verantwortlich, nach denen Führung in Teilzeit zwar theoretisch möglich ist, praktisch aber nicht toleriert wird. Somit haben es junge Mütter trotz entsprechender Angebote des Arbeitgebers schwer, auf einem Führungssessel Platz zu nehmen. Zudem werden sie von fehlenden Mutterschutz-Regeln für Frauen in der Geschäftsführung und im Vorstand abgeschreckt. Häufig ist das Karriere-Problem aber auch hausgemacht: Frauen studieren das Falsche. Während Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaften eine schnelle Karriere und hohes Gehalt versprechen, entscheiden sie sich aber häufig für Geistes- und Erziehungswissenschaften oder Pflegeberufe. Hier sind die Aufstiegsmöglichkeiten gering und das Gehalt niedrig. Wenn Kinder kommen, ziehen sich viele Frauen zudem aus dem Berufsleben zurück und verpassen somit den Karrieresprung.
In der Regierungskoalition hatte es Ende Januar einen heftigen Streit um die Einführung einer Frauenquote gegeben. Während Frauenministerin Schröder ein Modell vorschwebt, nach dem die Unternehmen sich selbst Zielvorgaben für eine Quote machen, favorisierte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ein deutlich weitgehenderes Modell, nach dem es eine einheitliche Quote von 30 Prozent für Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen geben soll. Die Kanzlerin hatte der Frauenquote schließlich eine Absage erteilt.
Auch Eons Personalvorstand Regine Stachelhaus lehnt eine gesetzliche Frauenquote ab. Stattdessen müssten die Rahmenbedingungen für Frauen verbessert werden. "Die Bereitstellung von ausreichend Kitaplätzen und die Entwicklung von qualifizierten Frauen aus dem mittleren Management ist entscheidend für den Erfolg auf dem Weg zu mehr Frauen in Führungspositionen", sagte Stachelhaus unserer Zeitung. Politik und Wirtschaft sollten Maßnahmen für einen klar definierten zeitlichen Horizont besprechen, um die Zahl von Führungsfrauen zu erhöhen. Das morgige Treffen ist der Versuch, hier etwas zu bewegen.
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