Lebensversicherung als Falle
VON UWE SCHMIDT-KASPAREK - zuletzt aktualisiert: 13.08.2009 - 02:30Allein im vergangenen Jahr haben die Kunden vorzeitig 14 Milliarden Euro aus ihren Policen abgezogen. Fast jeder Zweite kündigt seine Lebensversicherung vorzeitig. Ein kostspieliger Entschluss. Es gibt günstigere Alternativen.
Düsseldorf. Die Zahl der vorzeitig aufgegebenen Lebensversicherungen hat ein Rekordniveau erreicht. Das ergibt sich aus Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für das Geschäftsjahr 2008. Während das Stornovolumen 2007 noch bei 12,1 Milliarden Euro lag, schnellte es 2008 auf rund 14 Milliarden Euro hoch. "2007 war das Volumen der vorzeitig ausgezahlten Leistungen noch 13,6 Prozent niedriger", sagte Anne-Lena Jost vom Versicherungsaufkäufer Policen Direkt. Auch die vom GDV ermittelte jährliche Stornoquote ist auf 5,5 Prozent gestiegen. Hochgerechnet hält jeder zweite Versicherte seinen Vertrag nicht bis zum Ende durch.
"Für 2009 haben wir noch keine Kündigungszahlen", sagt Holger Schmitt vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Auch eine aktuelle Statistik zu den Kündigungsgründen gibt es nicht. Nach einer Allensbach-Studie aus dem Jahr 2004 war "Entschuldung" mit 24 Prozent das Hauptmotiv. "Arbeitslosigkeit" rangierte mit 21 Prozent an zweiter Stelle. Rund 19 Prozent gaben ihre Lebenspolice auf, weil sie ihr "Geld besser anlegen" wollten.
Demgegenüber befürchtet der GDV, dass immer mehr Menschen durch Hartz-IV gezwungen werden, ihre Altersvorsorge aufzugeben. Derzeit liege beispielsweise für 50-jährige das so genannte Schonvermögen, das Hartz-IV-Empfänger trotz ihrer Transferbezüge besitzen dürfen, nur bei rund 22 000 Euro.
"Wer frühzeitig aussteigt, macht immer Verluste", warnt Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Die Kunden verzichten mit einer vorzeitigen Kündigung nicht nur auf mögliche Schlussgewinne, die nur am Ende der Laufzeit fällig werden. Zusätzlich schlagen die Abschlusskosten bei vorzeitiger Kündigung überproportional zu Buche. Auf den Schlussgewinn spekulieren dann auch die Policenaufkäufer, die eine Alternative zur Kündigung anbieten. Sie zahlen in der Regel mehr, als der Kunde bei einer Kündigung von seiner Versicherung erhalten würde. Die Beiträge zahlt der Aufkäufer weiter.
Statt zu kündigen, kann man seine Lebensversicherung auch beleihen. Bei Allianz Leben muss das Darlehen beispielsweise mindestens 1000 Euro betragen. Es wird höchstens bis zum aktuellen Rückkaufswert der Police gewährt. "Gebühren fallen bei der Gewährung des Darlehens nicht an", sagt Allianz-Sprecher Udo Rössler. Die Zinsen für das Darlehen werden zusammen mit den Beiträgen erhoben. Das Darlehen kann dann später ganz oder in Teilbeiträgen zurückgezahlt werden. Erfolgt keine Tilgung, wird der Kredit bei Ablauf von der Erlebensfallzahlung abgezogen.
Wer keinen großen Geldbetrag benötigt und seine Haushaltskasse nur vorübergehend entlasten möchte, kann seine Lebensversicherung auch beitragsfrei stellen oder einen Teil des Risikoschutzes kündigen. Beispielsweise kann die Verdopplung der Summe bei Unfalltod gestrichen werden. Bei Arbeitslosigkeit gewähren die Versicherer in der Regel eine zinslose Beitragsstundung von bis zu einem Jahr.
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