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"Länder müssen Kliniken mehr zahlen"

zuletzt aktualisiert: 17.11.2010 - 02:30

Interview Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) fordert zum Beginn der heute in Düsseldorf startenden Messe Medica familienfreundlichere Arbeitszeiten in Krankenhäusern. Zudem sollten Kliniken und Arztpraxen enger zusammenarbeiten.

Ihre Frau ist Krankenhausärztin, welche Botschaft hat sie Ihnen für den Krankenhaustag mitgegeben?

Rösler Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Kliniken suchen händeringend mehr Ärzte und mehr Pflegekräfte. Ein wichtiger Ansatz wäre, familienfreundliche Arbeitsmodelle einzuführen, mit denen sich die Attraktivität des Arbeitsplatzes Krankenhaus für junge Familien verbessern ließe. Diejenigen, die das anbieten, haben schon heute einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Fachkräfte.

Die Krankenhäuser beklagen, dass ihnen 50 Milliarden Euro für Investitionen fehlen. Machen die Länder ihre Hausaufgaben nicht?

Rösler Unabhängig von den Zahlen haben die Länder die Verantwortung, die Investitionen für die Krankenhäuser zu tätigen. Sie sind in der Pflicht, den Investitionsstau bei den Kliniken aufzulösen. Dies müssen sie auch im Interesse der Patienten tun.

Muss die Krankenhausfinanzierung neu organisiert werden?

Rösler Ich setze darauf, dass ab 2012 die Krankenhäuser stärker über leistungsorientierte Investitionspauschalen finanziert werden. Dadurch kann mehr Wettbewerb unter den Krankenhäusern entstehen. Je besser eine Klinik gemanagt wird, desto stärker wird sie von den Investitionspauschalen profitieren können.

Durch Ihre Gesundheitsreform müssen die Krankenhäuser auch Einbußen hinnehmen. Wird sich das auf die Patienten auswirken?

Rösler Nein. Wir überfordern die Krankenhäuser nicht. Insgesamt dürfen die Kliniken im nächsten Jahr weniger Geld zusätzlich ausgeben, als das eigentlich vorgesehen war. Dabei handelt es sich um 500 Millionen Euro. Es geht also um Ausgabenbegrenzung, nicht um Einsparungen. Wir haben zudem Wert darauf gelegt, dass einige Bereiche von den Sparmaßnahmen verschont bleiben. Dazu gehören zum Beispiel Transplantationen und Betten für Schwerverbrennungen.

Die Patienten werden also keine Veränderung bemerken?

Rösler Davon gehe ich aus. Es gibt keinen anderen Bereich im deutschen Gesundheitswesen, in dem die Patienten so zufrieden sind wie im Krankenhaus. Was wir mit dieser Reform einfordern, sind ja keine Kürzungen, sondern – ich wiederhole es – nur Begrenzungen von Zuwächsen.

Müssen Kliniken und Praxisärzte in Zukunft enger zusammenarbeiten?

Rösler Ja. Es wird einen Trend geben, dass sich der ambulante und der stationäre Bereich stärker vernetzen. Die Patienten wollen in einer Versorgungskette betreut werden. Dem muss man stärker Rechnung tragen. An den Schnittstellen von Arztpraxen und Krankenhäusern gibt es enorme Effizienzreserven.

Da wird es aber Streit geben, wie die Finanztöpfe neu verteilt werden.

Rösler Eine stärkere Verzahnung von ambulantem und stationärem Bereich heißt nicht, dass die einen ihren Finanztopf auf Kosten der anderen einfach vergrößern können. Die Zusammenarbeit von Praxen und Krankenhäusern darf nicht vom Nutzen für die Leistungserbringer bestimmt werden. Sie muss vom Nutzen für die Patienten bestimmt werden.

Wie viel lässt sich dadurch einsparen?

Rösler Wenn die Verzahnung von ambulantem und stationärem Bereich gelingt und man die Behandlung der Patienten optimiert, wird es automatisch Einsparungen geben – zum Nutzen der Patienten.

Wird die Medica unter dem Zeichen der Sparmaßnahmen stehen?

Rösler Das glaube ich nicht. Es wird um die Chancen des Gesundheitswesens gehen: Wachstum und Beschäftigung.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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