Berlin: Kassen bezahlen Teststreifen für Diabetiker nicht mehr
zuletzt aktualisiert: 04.03.2011 - 02:30Berlin (RP). Die Sparpolitik der gesetzlichen Krankenkassen macht vor Zuckerkranken nicht halt. Die Kassen werden künftig Diabetikern des Typs 2 (Alters-Diabetes) keine Harn- und Blutzucker-Teststreifen mehr bezahlen, die diese für die regelmäßigen Tests ihres Zuckerspiegels nutzen. Das geht aus einer Beschlussvorlage des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Kassen hervor.
Danach sollen Typ-2-Diabetiker, die nicht mit Insulin, sondern mit Tabletten behandelt werden, die Teststreifen grundsätzlich nicht mehr erstattet bekommen. Der Arzt hat dann nur noch die Möglichkeit, Teststreifen-Rezepte für solche Patienten auszustellen, bei denen die Zuckerwerte wegen der Umstellung auf ein anderes Medikament oder wegen Begleiterkrankungen schwanken. Am 17. März will der Bundesausschuss die Änderung beschließen. Im Sommer könnte sie in Kraft treten.
In Deutschland werden 4,5 Millionen Menschen wegen Diabetes behandelt. Drei Millionen von ihnen sind nicht insulin-pflichtig – und damit von der geplanten Änderung betroffen. Es geht um viel Geld: Jährlich werden bundesweit 1,2 Milliarden Euro mit Blutzucker-Teststreifen umgesetzt. 900 Millionen Euro davon werden als Kassen-Leistung abgerechnet. Eine Packung mit 50 Teststreifen kostet gut 30 Euro.
Der Ausschuss hält die regelmäßige Blutzucker-Messung bei den meisten Typ-2-Diabetikern für nicht erforderlich. Der Bremer Gesundheits-Ökonom Gerd Glaeske betont, dass auch in vielen europäischen Nachbarländern Patienten das Hilfsmittel selbst finanzieren.
Dagegen warnt der Chef des Deutschen Diabetiker Bundes, Dieter Möhler, vor dem Schritt. Der Patient werde "in den Irrsinn und die Medizin der 70er Jahre" gedrängt. Möhler kündigte Protest beim Bundesgesundheitsministerium an. Im Vorfeld hatten Diabetiker bereits vor dem Ministerium demonstriert. Das hat das letzte Wort, setzt sich aber meist nicht über Beschlüsse des Ausschusses hinweg.
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