Karstadt scheint gerettet
VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 03.09.2010 - 02:30Gestern Abend verkündete Investor Nicolas Berggruen, dass er sich mit der Vermietergruppe High-Street einig ist. Heute soll das Amtsgericht den Kauf der insolventen Warenhausgruppe an den Milliardär absegnen.
Jeder Pressetermin hat seine Symbolik: So auch gestern Abend der Auftritt des wohl künftigen Karstadt-Inhabers Nicolas Berggruen. Zuerst war er für 18 Uhr in der Hauptstadt angekündigt, dann ging es erst um 20 Uhr los. Halbwegs zufrieden: Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg: Sowohl die Vermietergruppe High-Street wie deren Kreditgeber hätten niedrigeren Mieten für die Häuser zugestimmt – immerhin. Aber die Unterschriften als Bestätigung mündlicher Zusagen würden fehlen. Auch dabei: Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane. Ihr Statement lautete: "Wir sind froh, dass sich die Hinweise auf eine sichere Zukunft von Karstadt verdichten." Und auch Berggruen wirkte erlöst: Vor acht Wochen hatte er den Zuschlag für die Fortführung der insolventen Warenhauskette erhalten, erst jetzt war klar, dass sowohl Vermieter wie deren Kreditgeber neuen Verträgen zustimmen. "Alle, die ja sagen mussten, haben ja gesagt."
Heute könnte das Amtsgericht Essen damit der Übertragung des Konzerns mit 25 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 3,9 Milliarden Euro zustimmen.
Dabei stand es gestern noch alles auf der Kippe: Görg hatte an den Gläubigerausschuss einen ersten Entwurf eines Liquidationsplanes versandt. Die Sport- und Premiumhäuser sollten demnach verkauft werden. Die anderen Filialen würden bis Ende des Jahres geräumt. Neue Waren würden nicht mehr bestellt. Im Klartext: Wenn Vermieter und deren Kreditgeber nicht nachgeben, kommt der Kahlschlag – und nach Monaten des Leerstandes wären die Häuser nicht mehr viel wert.
Die Erleichterung über die praktisch feststehende Rettung ist groß. "Ich freue mich von ganzem Herzen für die Belegschaft und das Unternehmen", sagte Karl-Gerhard Eick, kurze Zeit Vorstandschef des früheren Mutterkonzerns Arcandor, unserer Zeitung. Es bestätige sich, dass es eine eigenständige Zukunft in Deutschland für zwei Warenhausgruppen geben könne – also nicht nur für Kaufhof. "Karstadt ist und bleibt sanierungsfähig und eine starke Marke. Ich hoffe, dass unter der Führung von Nicolas Berggruen und mit den vielen motivierten Mitarbeitern neuer Schwung in das Unternehmen kommt und wünsche alles Gute."
Trotzdem ist das Ringen um die Zukunft des Konzerns nicht ganz zu Ende: Berggruen muss sein Konzept schnell umsetzen: Der nur in Hotels lebende Milliardär will die "Kultmarke" Karstadt verjüngen. Er will 70 Millionen Euro eigenes Geld einschießen. Sein Partner Max Azria, ein US-Designer, soll den Zugang zu mehr als 20 weltweiten Marken verschaffen. Insgesamt sollen die Häuser verspielter werden.
Gleichzeitig ist weiter Vorsicht angesagt. Gestern wurde zwar verkündet, alle Geldgeber der High-Street-Gruppe würden die neuen Bedingungen akzeptieren – also auch die bis zuletzt zögernde Royal Bank of Scotland. Einige Unterschriften fehlten aber noch. Doch da an dem Deal mit Deutscher Bank und Goldman Sachs zwei der größten Banken der Welt als Drahtzieher von High-Street mitwirkten, scheint ein Scheitern nicht mehr möglich. Kommentar
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