Kampf um Fußball im TV
VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012 - 02:3019 Rechtepakete hat die Deutsche Fußball Liga für die Übertragung der Bundesliga ab Sommer 2013 ausgeschrieben. Der ARD-Sportschau droht das Aus, aber auch der Pay-TV-Sender Sky könnte am Ende ins Hintertreffen geraten.
frankfurt/M. Wenn man Aktionär des Bezahlfernseh-Unternehmens Sky ist, hat man seit Mitte 2011 wenig zu lachen gehabt. Seither ist der Kurs der Aktie um 40 Prozent abgeschmiert. Gestern hat er wieder mehr als zwei Prozent verloren – an dem Tag, an dem die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Pakete für die Vergabe der Fußball-Fernseh-Rechte ab der Saison 2013/2014 ausgeschrieben hat. Offenbar grassiert bei den Börsianern schon jetzt die Angst, dass der Bundesliga-Zug im nächsten Sommer ohne den Pay-TV-Sender abfahren könnte. Nächste Woche will die DFL entscheiden, welche der 45 Interessenten tatsächlich für die Pakete bieten dürfen. Die Rechte-Auktion für die vier Spielzeiten von 2013/14 bis 2016/17 beginnt am 2. April.
Die Besorgnis in Sachen Sky hat ihren Grund. Denn neben der aktuellen Variante (Pay-TV samstags nachmittags, Free-TV ab 18.30 Uhr) gibt es ein Szenario für die Übertragung der ersten bewegten Bilder an einem Bundesliga-Samstag per Internet und auf mobilen Endgeräten. Wichtigster Bieter wäre wohl die Telekom. Bei Sky, über Jahre chronisch defizitär, galt der Verkauf des Produkts Profifußball stets als überlebensnotwendig. Mittlerweile hat das Unternehmen zwar auf anderen Feldern aufgeholt. Aber der Wegfall der Bundesliga-Exklusivität wäre immer noch schmerzlich.
Ein anderes potenzielles Opfer des neuen Pokers könnte die immer noch real existierende Ikone des deutschen Fernseh-Fußballs sein. Wenn die Erstverwertung über Handys, Smartphones, Tablets und Co. liefe, würde das auch bedeuten, dass eine Übertragung der Spiele im frei empfangbaren Fernsehen erst ab 21.45 Uhr möglich wäre. Ob die Öffentlich-Rechtlichen so viel zu zahlen bereit wären, wenn sie in den späten Abend gedrängt würden, darf bezweifelt werden.
Die DFL-Oberen dagegen hoffen auf einen Bieter-Wettkampf. Sie wollen möglichst zwischen 450 Millionen und 500 Millionen Euro pro Saison erlösen. Bisher sind es 412 Millionen Euro, die aus der reinen Bundesliga-Fernseh-Vermarktung in Deutschland fließen. Einschließlich Auslandsvermarktung und Internet waren es zuletzt 519 Millionen Euro (siehe Grafik).
45 Interessenten haben sich angemeldet, aber DFL-Geschäftsführer Christian Seifert geht davon aus, dass am Ende nur knapp die Hälfte übrigbleiben wird.Bis Ende April will Seifert festgezurrt haben, wer wofür den Zuschlag bekommt. Das ist auch für die Vereine wichtig, weil die Gesamtsumme, die die Liga aus der zentralen TV-Vermarktung erlöst, darüber entscheidet, wie viel jeder einzelne Klub an Fernseh-Geldern in seinem Gesamt-Etat kalkulieren kann. Und das wiederum ist wichtig für jene, die anders als Bayern München oder Borussia Dortmund nicht an den Champions-League-Fleischtöpfen sitzen.
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