Jeder fünfte Vater nutzt Elternzeit
VON HANNA KOCH - zuletzt aktualisiert: 04.08.2010 - 02:30Väter in Bayern nutzen diese Möglichkeit besonders häufig. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes. Nordrhein-Westfalen gehört im bundesweiten Vergleich zu den Schlusslichtern.
Als 2006 das Elterngeld eingeführt werden sollte, war das den Bayern gar nicht recht: "Wir müssen das Wickelvolontariat nicht haben", sagte der damalige CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer zu den Plänen, Väter stärker in die Kindererziehung einzubinden. Vier Jahre später sind die bayerischen Väter Spitzenreiter, wenn es darum geht, eine Auszeit gegen Geld zu nehmen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben 27 Prozent der Väter aus Bayern, deren Kind im Jahr 2008 geboren wurde, Elterngeld bezogen. Ähnliche Zahlen verzeichnen die Bundesländer Berlin und Sachsen. Die geringste Väterbeteiligung gab es im Saarland mit zwölf Prozent.
Das Elterngeld wurde geschaffen, damit sich Akademiker und Facharbeiter leichter für Kinder und eines Auszeit vom Beruf entscheiden. Es beträgt 67 Prozent des Nettolohns, höchstens 1800 Euro und mindestens 300 Euro im Monat.
Nordrhein-Westfalen liegt im Väter-Ranking mit 16,4 Prozent an vorletzter Stelle. Hier befindet sich auch die Stadt mit der niedrigsten Väterbeteiligung: In Gelsenkirchen nahmen nur neun Prozent der Väter Elternzeit. Ähnliche Zahlen verzeichnet der Kreis Olpe. NRW-Spitzenreiter ist Münster mit 26,4 Prozent, deutschlandweit Jena mit 42,7 Prozent – beides Universitätsstädte, in denen viele junge Familien leben. Anders Gelsenkirchen: Jeder Sechste ist hier arbeitslos, das ist die höchste Quote in ganz NRW. "Die Angst vor dem Jobverlust ist groß", sagt Martin Schulmann, Sprecher der Stadt Gelsenkirchen. Das beeinflusse die Entscheidung der Männer, Elternzeit zu nehmen. Hinzu komme ein hoher Anteil an Geringverdienern, Migranten und Alleinerziehenden.
Dass die Nutzung des Elterngelds etwas mit dem Bildungsstand zu tun hat, hatte bereits eine Studie der Universität Greifswald ergeben. Demnach habe sich die Zahl der schwangeren Frauen mit einem Haushaltseinkommen von über 2500 Euro um 70 Prozent erhöht. In der Gruppe der Frauen mit Arbeitsstelle habe sich der Anteil derer, die sich für ein Kind entschieden, um 30 Prozent erhöht. Für Auto Jochen Thyrian erscheint es logisch, dass Bayern bei den Vätermonaten vorn liegt: Das Einkommen sei hoch, die Zahl der Hartz-IV-Empfänger und Alleinerziehenden niedrig. "Zwar ist der Vater der klassische Ernährer der Familie, aber sein sicherer Arbeitsplatz lässt es zu, für die Elternzeit zu pausieren", sagt Thyrian. Allerdings gebe die aktuelle Statistik des Statistischen Bundesamtes keinen Aufschluss darüber, wie viele Vätermonate genommen wurden. Thyrian geht davon aus, dass der Großteil der bayerischen Väter nur wenige Monate Elterngeld bezogen hat – das sei eher als verlängerter Urlaub zu werten. Ein "Erfolgsmodell Elterngeld", von dem Familienministerin Kristina Schröder (CDU) gestern sprach, könne aus den Zahlen nicht herausgelesen werden.
Fest steht: Bundesweit haben 96 Prozent der Frauen für ihre 2008 geborenen Kinder Elternzeit beantragt, bei den Männern waren es nur 21 Prozent. Durch das Elterngeld ist die Zahl der Geburten nicht gestiegen, auch das zeigt die Greifswalder Studie. Den Geburtenrückgang konnte es nicht stoppen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



