IG Metall: Tarif für Leiharbeiter
VON CHRISTIN NÜNEMANN UND MAXIMILIAN PLÜCK - zuletzt aktualisiert: 20.08.2010 - 02:30Die IG Metall will sich in der anstehenden Stahl-Tarifrunde stärker den Zeitarbeitern widmen. Nach dem Willen von NRW-Bezirkschef Oliver Burkhard sollen diese künftig so wie die Stammbelegschaft bezahlt werden.
Wenn sich am 6. September die Tarifparteien zu den ersten Verhandlungen für die westdeutsche Stahlbranche treffen, dann werden sie sich auch mit Beschäftigten befassen, die einer gänzlich anderen Zunft angehören: den Leiharbeitern. Nach dem Willen der IG Metall sollen nämlich diejenigen, die in Stahlkonzernen eingesetzt werden, gleich viel verdienen wie die Stammbelegschaft. "Die Betriebe fahren den Aufschwung in erster Linie mit Leiharbeit", kritisiert der Bezirksleiter der IG Metall NRW, Oliver Burkhard. Deswegen sei das Thema neben der Lohnforderung von 4,5 bis acht Prozent und einer Arbeitszeitverkürzung für Ältere ein zentrales Anliegen. "Wir können nicht jahrelang ,Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' auf unsere Plakate schreiben und nichts in dieser Richtung umsetzen", so Burkhard.
Nach Schätzungen der IG Metall sind nach dem Ende der Krise bereits wieder drei bis fünf Prozent der 85 000 Beschäftigten in der Stahlindustrie Leiharbeiter. Auch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) belegen, dass es mit der Zeitarbeitsbranche nach den Krisenmonaten insgesamt wieder aufwärtsgeht: War der Bestand an Zeitarbeitern von 850 000 auf 520 000 regelrecht eingebrochen, ist er im Mai 2010 wieder auf 662 000 gestiegen.
Der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) rechnet auch für die nächsten Monate mit einer steigenden Arbeitsnachfrage: "Zahlreiche große Unternehmen warten derzeit ab, wie sich die Konjunktur entwickelt und stellen deshalb viele Zeitarbeiter ein", so ein Sprecher der IGZ.
Die IG Metall kritisiert vor allem die unterschiedlichen Beschäftigungsbedingungen: Einige Leiharbeiter bekommen lediglich den von ihrer Branche ausgehandelten Lohn von 7,60 Euro pro Stunde. Dabei betrage die Mindestzahlung in der Stahlindustrie rund zwölf Euro. Leiharbeiter müssten im Durchschnitt Lohneinbußen zwischen zehn und 20 Prozent hinnehmen. Das soll sich mit dem neuen Tarifvertrag ändern. Sollte die IG Metall mit ihrer Forderung durchkommen, könnte das Modell als Vorbild für andere Branchen dienen, laut Burkhard insbesondere für die nächste Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2012. Um die Pläne durchzusetzen, bringt die Gewerkschaft reichlich Drohpotenzial mit: Von 85 000 Beschäftigten in der Stahlbranche sind 77 000 IG Metaller. Zudem gilt in der Branche keine Friedenspflicht. Die Stahlarbeiter könnten theoretisch sofort nach dem Auslaufen des Vertrags am 31. August streiken.
Der IGZ lehnt die Vorschläge der Gewerkschaft ab. "Wir haben einen eigenen Tarifvertrag", sagte der Sprecher. Der gewähre den Zeitarbeitern einen konstanten Lohn, mit dem sie planen könnten. "Wenn die Leiharbeiter den gleichen Lohn erhalten wie Festangestellte, verändert sich ihr Einkommen bei jedem Betriebswechsel." Somit könne sich ihr Lohn auch zum Nachteil entwickeln. Der Bundesverband Zeitarbeit nannte die Forderung der IG Metall "komisch".
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