IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn
zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 02:30Frankfurt/M. (dpa/rtr) Die Metall- und Elektroindustrie steuert auf eine harte Tarifrunde zu: Die Gewerkschaft fordert für die 3,6 Millionen Beschäftigten eine Lohnerhöhung um 6,5 Prozent und strebt zugleich eine Angleichung der Löhne von Leiharbeitern und Festangestellten an. Die Unternehmen sollen zudem dazu verpflichtet werden, Auszubildende nach der Lehrzeit unbefristet zu übernehmen.
Gewerkschaftschef Berthold Huber sagte, die Lohnforderung sei für die Branche finanzierbar. "Sie ist wirtschaftlich geboten und würde den Beschäftigten einen fairen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung sichern", betonte er gestern. Die Arbeitgeber reagierten entsetzt. Ihr Verband Gesamtmetall bezeichnete die Forderung als nicht nachvollziehbar. Die Gewerkschaft könne maximal drei Prozent mehr Lohn mit wirtschaftlichen Kennziffern begründen. "Für die restlichen 3,5 Prozent gibt es keine belastbare Grundlage", kritisierte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Die Unternehmen hätten ihre Mitarbeiter immer fair bedient – nicht nur in der Krise, sondern auch im Aufholprozess danach.
Dagegen fordert die IG Metall einen Nachschlag, weil der Aufschwung 2011 sich aus ihrer Sicht nicht in der Entlohnung der Metaller niedergeschlagen habe. 2010 hatten die Metaller einen Tarifvertrag mit zweijähriger Laufzeit akzeptiert und sich mit einer Lohnerhöhung von 2,7 Prozent zufrieden gegeben, um den Unternehmen durch die Rezession zu helfen. Die kleinere Chemiegewerkschaft IG BCE hatte 2011 dann Lohnerhöhungen von 4,1 Prozent durchgesetzt und die Führungsrolle im Gewerkschaftslager übernommen.
Huber zeigte sich kampfbereit: Falls die Arbeitgeber "bockig" seien, werde die Gewerkschaft ihre Gangart verschärfen. Die Friedenspflicht läuft Ende April aus, dann sind Warnstreiks möglich. Die Empfehlung des Gewerkschafts-Vorstands soll nun in den Regionen diskutiert werden. Die Verhandlungen sollen am 6. März im Pilotbezirk Baden-Württemberg sowie in Niedersachsen und Frankfurt beginnen. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Geplant sind Gespräche mit den Metallarbeitgebern und den Verbänden der Verleihfirmen.
Die Chancen auf den sprichwörtlichen "Schluck aus der Pulle" stehen wegen der geringen Arbeitslosigkeit und der hohen Unternehmensgewinne nicht schlecht. Die Commerzbank rechnet für die zentralen Branchen Metall, Elektro und Chemie mit Lohnzuwächsen zwischen 3,5 und vier Prozent. Huber und sein Stellvertreter Detlef Wetzel sind zu einem hohen Abschluss verpflichtet: Im vergangenen Jahr gewann die Gewerkschaft erstmals seit 20 Jahren wieder Mitglieder hinzu und zählt nun 2,3 Millionen. Die wollen Erfolge sehen.
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