Holländer wollen Duisburger Hafen
VON H. CHUDOBBA, B. MARSCHALL UND T. REISENER - zuletzt aktualisiert: 14.01.2011 - 02:30Der Bund will seinen 33-Prozent-Anteil am Duisburger Hafen verkaufen. Die Seehäfen Antwerpen und Rotterdam prüfen den Einstieg. Kommt der Deal zustande, droht Duisburg eine Lkw-Lawine. Deshalb fordern die Grünen: Der Verkaufserlös muss in die Betuwe-Linie investiert werden.
Die Seehäfen Antwerpen (Belgien) und Rotterdam (Niederlande) prüfen einen Einstieg bei der Duisburger Hafen AG. Das bestätigte gestern ein Sprecher des Seehafens Rotterdam gegenüber unserer Zeitung. "Die Idee wurde bei einem Treffen der beiden Hafen-Chefs vor ein paar Wochen in China geboren", berichtet der Sprecher. In dieser Woche seien die Gespräche auf der Arbeitsebene weiter vorangetrieben worden.
Der Sprecher sagte, das holländische Konsortium sei an den Anteilen des Bundes interessiert. Der Duisburger Hafen gehört zu je einem Drittel dem Bund, der Stadt Duisburg und dem Land NRW. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums bestätigte auf Anfrage, dass der Bund seinen Anteil verkaufen will. Im Beteiligungsbericht der Bundesregierung ist der Grundkapital-Anteil des Bundes mit 15,4 Millionen Euro ausgewiesen. Experten taxieren den tatsächlichen Wert des Bundes-Anteils auf 50 Millionen Euro.
Sowohl die Belgier als auch die Niederländer rechnen mit einem Wachstum ihres Frachtaufkommens um das Zwei- bis Dreifache bis zum Jahr 2035. "Dafür brauchen wir einfach mehr Kapazität", sagte der Sprecher des Rotterdamer Hafens, Minco Vanheezen. Ein weiteres Ziel sei, die Fracht möglichst lange auf Schiffen zu transportieren, um den Straßenverkehr zu entlasten. "Ein Drittel unserer Ladung geht nach Deutschland, davon 80 Prozent nach NRW", so der Sprecher.
Wäre mit dem Verkauf also eine Lkw-Katastrophe im Großraum Duisburg programmiert? Monika Düker, Chefin der Grünen in NRW, stellt vor diesem Hintergrund eine knallharte Forderung: "Das Land darf den Verkaufsabsichten des Bundes nur zustimmen, wenn der Verkaufserlös in die Schiene investiert wird", so Düker. Sie verweist darauf, dass NRW als Co-Eigentümer des Duisburger Hafens auch dem Verkauf der Bundesanteile zustimmen muss. Konkret fordert Düker den Ausbau der Betuwe-Linie, damit die Fracht über die Schiene abfließen kann. Auch das NRW-Wirtschaftsministerium betonte, über die Zustimmung des Landes sei noch zu entscheiden.
Der ehemalige NRW-Verkehrsminister und CDU-Wirtschaftsexperte Lutz Lienenkämper würde einen Einstieg der Seehäfen in Duisburg hingegen vorbehaltlos begrüßen. "Das sind die idealen strategischen Partner, um den Duisburger Hafen weiterzuentwickeln", so Lienenkämper. Er schlägt vor, dass Duisburg sich umgekehrt auch an Antwerpen und Rotterdam beteiligen soll, um die Partnerschaft zu untermauern. Auf Bundesebene argumentieren FDP und CDU ähnlich. FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring sagte, die Zukunftschancen Duisburgs dürften nicht am Bund scheitern: "Der Bund ist ein armer Gesellschafter."
In Duisburg sieht man einen Anteilsverkauf an Rotterdam und Antwerpen skeptisch, zumal Duisburgs Hafenchef Erich Staake eher als Gegner denn als Befürworter einer solchen Lösung gilt. Seine Sorge: Die Hafengesellschaft Duisport könnte an Bedeutung verlieren, wenn die übermächtigen Seehäfen mit im Boot sitzen. Angeblich soll es in der Stadt daher Überlegungen geben, den städtischen Verkehrs- und Versorgungskonzern DVV als neuen Anteilseigner ins Boot zu holen. Doch der ist gerade erst bei der Steag eingestiegen und hätte am Hafenanteil wohl nur dann ernsthaftes Interesse, wenn er auch daran verdienen könnte. In der Vergangenheit aber hat die Duisburger Hafengesellschaft Duisport keine Gewinne an ihre Anteilseigner ausgeschüttet, sondern die Überschüsse konsequent wieder im Unternehmen angelegt.
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