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Düsseldorf: Handy-Welt vor dem Umbruch

VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 10.02.2011 - 02:30

Düsseldorf (RP). Freitag verkündet Nokia eine neue Strategie, ab Sonntag kommen in Barcelona die Top-Manager der Mobilfunkbranche zusammen. Schon jetzt ist klar: Die Kunden können sich auf bessere Angebote freuen.

Radikaler kann man eine Revolution nicht ankündigen. Gerade vor sechs Monaten wechselte Stephen Elop von Microsoft als Chef zum weltweit größten Handyhersteller Nokia, jetzt will er am Freitag in London eine neue Strategie ankündigen. Und er vergleicht den Konzern mit einer brennenden Ölplattform. Die Lage sei so katastrophal, schreibt er in einer internen Mail, dass man besser 30 Meter in die Tiefe springe und einen kompletten Neuanfang wage anstatt zu verbrennen.

Nokia kämpft ums Überleben, Google feiert den Siegeszug des eigenen Handy-Betriebssystems "Android", während Vodafone und Telekom sich im Mobilfunk neu orientieren. So sieht die Lage vor der wichtigsten Branchenmesse "Mobile World" aus, die ab Sonntag in Barcelona stattfindet. "Die Lage ist spannend", sagt Roman Friedrich, Telekom-Experte der Beratungsfirma Booz & Co., "einerseits werden wir in den nächsten Jahren ein enormes Wachstum bei mobilen Diensten haben. Andererseits verschärft sich mit neuen Angeboten der Wettbewerb extrem."

Vorrangig der Siegeszug von Apple mit dem iPhone und dem Flachcomputer iPad bringt die Handywelt in Bewegung. "Apps", das sind Miniprogramme zum Spielen, Navigieren oder auch zum Informieren, sind der Hit bei Apple – nun ziehen alle nach. "Wir streben mehr Partnerschaften an", verkündet der neue Telekom-Technikvorstand Edward Kozel. Vodafone arbeitet daran, das Konzern-Portal "360-Grad" mit mehr "Apps" und anderen Diensten aufzupeppen. Und Samsung, HTC und SonyEricsson bringen immer mehr anspruchsvolle Handys mit Googles Android auf den Markt.

Die Kunden profitieren: Erstens ist klar, dass alle bei Apple gut laufenden "Apps" zur Nutzung auf Android kopiert werden. "Software oder Spiele nachzubauen, erledigen die Inder schnell und günstig", sagt ein Telekom-Manager, "und das breitere Angebot wird schnell die Preise für Apps nach unten drücken." Zweitens setzen sich günstige Flatrates von acht oder zehn Euro im Monat für die Datennutzung per Handy durch. Doch damit die Netze nicht überlastet werden, drücken die Netzbetreiber zunehmend eine Obergrenze für das Daten-Herunterladen im Vertrag durch. "Das trifft nur Extrem-Surfer", meint Berater Friedrich, "die breite Masse kann froh sein, wenn die Netze nicht überlastet sind."

Verlierer des Trends ist Nokia. Entsprechend radikal will der neue Chef die Wende erzwingen. Die entscheidende Frage ist, mit welchem Betriebssystem Nokia anspruchsvolle Handys künftig ausstattet. Bisher wurde nur das selbst entwickelte "Symbian" genutzt – doch iPhones und Geräte mit Android haben mehr Erfolg. Die meisten Experten rechnen nun damit, dass Elop Software seines Ex-Arbeitgebers Microsoft zum Gehirn der anspruchsvollen Nokia-Handys macht.

Unsinnig wäre der Schritt gerade bei Geräten für Geschäftsleute nicht, sinnvoll wäre aber, Android-Software bei Geräten für Privatkunden auch zu nutzen. Sie ist kostenlos, sie hat wenig Macken, und es gibt massenhaft "Apps".

Quelle: RP


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