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Gewinner: Energie-Konzerne, Brüderle

VON ANTJE HÖNING UND BIRGIT MARSCHALL - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010 - 02:30

Für die Börse hatte der Atompoker klare Sieger: die Energieriesen. Die Aktien von Eon und RWE waren mit einem Plus von zeitweise mehr als drei Prozent Gewinner des Tages. Analysten betonten, dass der Beschluss für die Konzerne besser ausgefallen sei als erwartet. Die Konzerne selbst vermieden Triumphgeheul, begrüßten aber die Einigung: "Sie macht die Kernkraft zu einem starken Pfeiler der Brücke, die ins Zeitalter der erneuerbaren Energien führt", so RWE-Chef Jürgen Großmann. Ähnlich äußerte sich Eon-Chef Johannes Teyssen.

Die Bundesregierung ist den Versorgern bei der Laufzeit weit entgegen gekommen. RWE hatte sich zwar eine Verlängerung um 20 Jahre gewünscht. Doch zeitweise war in der Regierung nur von einigen wenigen Jahren die Rede gewesen. Nun dürfen die Meiler bis zu 14 Jahre länger laufen. Und jedes Jahr, das ein abgeschriebenes Atomkraftwerk länger Strom produziert, bedeutet für die Versorger bares Geld. Laut einer DIW-Studie bringt die Verlängerung allein Eon rund 1,26 Milliarden Euro Zusatzgewinne pro Jahr, RWE 1,11 Milliarden (Grafik).

Hiervon dürfen sie die Hälfte behalten, so die Regierung. Die Unternehmen rechnen anders und verweisen darauf, dass sie nicht nur eine Brennelementesteuer zahlen, sondern auch einen Fonds für erneuerbare Energien dotieren müssen. "Insgesamt werden weit mehr als 50 Prozent der Ertragskraft der Kernenergie abgeschöpft", heißt es bei RWE. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob die Regierung die längeren Laufzeiten auch durchsetzen kann. Die Wirtschaft selbst rechnet damit, dass das letzte Wort in Karlsruhe fällt: "Ich könnte mir vorstellen, dass diese Einigung vor dem Verfassungsgericht gerade noch Bestand hat", sagte Arend Oetker, Vizechef des Industrieverbands BDI.

Der politische Gewinner im Atompoker ist Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Er hatte sich für eine Verlängerung von zwölf bis 20 Jahren ausgesprochen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wollte maximal acht Jahre. Nachdem die Kanzlerin ein Machtwort zugunsten der Wirtschaft gesprochen hatte, versuchte Röttgen noch, die Laufzeit-Verlängerung über neue Sicherheitsauflagen unattraktiv zu machen. Am Ende setzt sich Brüderle durch: Gestern sprach er "von einem großen Wurf" – auch in eigener Sache.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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