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Facebook will Daten verkaufen

VON THORSTEN BREITKOPF UND CHRISTIN NÜNEMANN - zuletzt aktualisiert: 07.04.2010 - 02:30

Ministerin Ilse Aigner (CSU) greift das Web-Netzwerk in einem offenen Brief an. Facebook erwägt, allgemeine Daten zu Werbezwecken zu verkaufen. Verbraucherschützer raten: "Wer sicher gehen will, sollte aussteigen."

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner ist empört. Weil das soziale Netzwerk Facebook plant, allgemeine Daten auch an Dritte weiterzugeben, droht sie mit ihrem Austritt aus Facebook. "Privates muss privat bleiben", schreibt sie in ihrem Offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg und fordert ihn auf, seine Firmenpolitik zu überdenken. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Netzwerk.

Wie sicher sind Daten auf Facebook? Sehr unsicher. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) räumen Facebook bereits jetzt weitreichende Rechte ein, was die Verwendung von Nutzerdaten betrifft. Durch eine neue Datenschutzerklärung sollen diese Rechte sogar noch weiter ausgebaut werden. "Man hat den Eindruck, dass Facebook mit den Nutzerdaten machen kann, was es will", sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest, die zehn soziale Netzwerke auf Datensicherheit und Datenschutz geprüft hat. So erhält Facebook eine Unterlizenz an allen IP-Inhalten eines Mitglieds, sobald dieses den AGB zugestimmt hat. Das bedeutet, dass Facebook alle Texte und Bilder, die auf der Plattform veröffentlicht werden, in anderer Weise weiterverwenden kann.

Wie leicht kann von außen auf Facebook-Daten zugegriffen werden? Warentest wollte die Sicherheit überprüfen. Bei solchen Tests versuchen Hacker, in das Netzwerk einzudringen und Schwachstellen aufzudecken. "Trotz vielfacher Anfrage wurde das nicht gestattet", so Murko. "Dies bestätigt die mangelnde Transparenz von Facebook."

Was geschieht mit meinen Daten? Hauptsächlich werden die Nutzerdaten an die Werbewirtschaft verkauft. "Nach derzeitiger Regelung ist das sogar zulässig. Es können zum Beispiel die Adresse und ein qualitatives Merkmal, etwa ein bestimmtes Interesse des Nutzers, weitergegeben werden", erklärt Evelyn Keßler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. In der neuen Datenschutzerklärung von Facebook ist auch vorgesehen, dass allgemeine Daten an Dritte weitergegeben werden dürfen. Außerdem soll es für den Namen und das Profilbild keine Datenschutzeinstellung mehr geben.

Wie kann ich mich schützen? Murko rät, so wenig persönliche Daten wie möglich anzugeben und seine Privatsphäre-Einstellungen ständig zu überprüfen. "Hier kann man entscheiden, für wen welche Daten sichtbar sein sollen", so der Warentester. Außerdem sollte überprüft werden, ob das Facebook-Profil über Suchmaschinen auffindbar ist. Vorsicht ist auch bei Anwendungen von Drittanbietern geboten: Fügt man seinem Profil Zusatzprogramme hinzu, können diese auch auf persönliche Daten zugreifen. "Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich gut überlegen, ob er sein Facebook-Konto lieber ganz löscht", meint Falk Lüke vom Verbraucherzentrale-Bundesverband. Facebook verspricht, die Daten kurzfristig zu löschen. "Ob dies wirklich geschieht, können wir nicht überprüfen", warnt Lüke.

Ist StudiVZ sicherer? Der Facebook-Konkurrent hält sich an die deutschen Datenschutzbestimmungen. "Generell sind alle VZ-Netzwerke beim Datenschutz vorbildlich", sagt Murko. Allerdings müsse bei der Datensicherheit noch einiges getan werden, vor allem beim Zugang über mobile Endgeräte.

Internet Wie Online-Netzwerke funktionieren unter www.rp-online.de/digitale

Quelle: Rheinische Post

 
 
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