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Düsseldorf: Eon erwartet Milliarden-Verlust beim Gas

VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 10.03.2011 - 02:30

Düsseldorf (RP). Der Düsseldorfer Energiekonzern rechnet nach einer guten Bilanz 2010 mit einem drastischen Gewinneinbruch. Ausgerechnet bei der einstigen Ertragsperle Ruhrgas ist das Geschäftsmodell zusammengebrochen. Und auch höhere Strompreise sind für Eon nicht in Sicht.

Für den Eon-Konzern hat die Fastenzeit begonnen. Passenderweise am Aschermittwoch stellte Eon-Chef Johannes Teyssen Mitarbeiter und Aktionäre auf rauen Wind ein: "Wir haben zwei schwierige Jahre vor uns." Nun sei Vertrauen in das Management nötig. 2010 hatte Deutschlands größter Energiekonzern zwar einen Gewinn (Konzernüberschuss) von 4,9 Milliarden Euro erzielt. Doch für dieses Jahr erwartet er einen Gewinn-Einbruch um ein Drittel. Erst 2013 glaubt Eon zu alter Stärke zurückzufinden.

Die Gründe für die schlechte Entwicklung: Der Finanzminister verlangt im Gegenzug zur Laufzeit-verlängerung für Atomkraftwerke in diesem Jahr eine Milliarde Euro Brennelemente-Steuer von Eon. Zudem geht der Konzern nicht davon aus, eine weitere Strompreisrunde durchsetzen zu können. Die größte Baustelle aber liegt in Essen, bei der Ruhrgas. Für 2011 erwartet Eon im Gashandelsgeschäft einen Verlust von einer Milliarde Euro.

Aus der einstigen Ertragsperle, deren Kauf als Coup des früheren Eon-Chefs Ulrich Hartmann galt, ist ein Sanierungsfall geworden. Neue Fördertechniken haben zu einer weltweiten Gas-Schwemme geführt, der Marktpreis ist stark gefallen. Damit ist das Geschäftsmodell der Ruhrgas zusammengebrochen, die Gas per Pipeline aus Russland und Norwegen zu langfristig festgelegten Preisen importiert. Seit Monaten verhandelt man über eine Änderung der Verträge. Teyssen will die Tochter nicht fallen lassen: "Wir halten an Ruhrgas fest", erklärte er. Aber natürlich prüfe der Konzern stets, was strategisch zu ihm passe.

Und wenn etwas nicht mehr passt, wird es verkauft – und zwar rasch. Innerhalb von nur vier Monaten hat Eon Beteiligungen für knapp neun Milliarden Euro abgegeben, darunter seinen Gazprom-Anteil, das italienische Gasnetz und das englische Stromnetz. Desinvestitionen für weitere sechs Milliarden Euro sollen folgen. Damit will Eon weiter Schulden abbauen und weltweit wachsen. In welchen zwei Regionen der Konzern wie angekündigt expandieren will, wollte Teyssen auch gestern nicht verraten: "Wir gackern erst, wenn die Eier gelegt sind." Schlechter Ausblick, keine Neuigkeiten zur Strategie – das passte der Börse gar nicht. Die Eon-Aktie gab deutlich nach.

Immerhin können sich die Aktionäre über eine solide Dividende freuen. Für 2010 sollen sie unverändert 1,50 Euro je Aktie erhalten. Und auch für 2011 und 2012 verspricht der Konzern eine Dividende von "mindestens 1,30 Euro". Eine solche Garantie hatte RWE seinen Aktionären nicht geben wollen.

Den stärkeren Druck bekommen Arbeitnehmer bereits zu spüren. Zwar strich Eon nicht, wie zunächst von der Gewerkschaft Verdi befürchtet, 9000 Stellen im Rahmen des Programms "Perform to win". 2010 wurden aber 2400 Stellen abgebaut, in diesem Jahr werden es noch einmal 1200 sein, auch in Deutschland. Der Abbau erfolgt sozialverträglich, etwa über Vorruhestandsregeln. Zudem werden 1300 IT-Mitarbeiter den Konzern verlassen, die Informationstechnik wird an T-Systems und Hewlett Packard ausgelagert, so Personalvorstand Regine Stachelhaus.

Erstmals schlägt sich auch der anhaltende Streit um das Kohlekraftwerk Datteln in Eons Büchern nieder. "Wir halten an Datteln fest", betont Teyssen und hofft nun, dass das fast fertig gebaute Kraftwerk 2013 statt 2012 ans Netz kann. Durch die Verzögerungen aber verliert der Konzern Geld. Er stellte deshalb einen niedrigen dreistelligen Millionen-Betrag zurück.

Für eine Überraschung sorgte, dass René Obermann in den Eon-Aufsichtsrat einzieht. Der Telekom-Chef sei ein guter Kandidat, weil Telekommunikations- und Energieindustrie mit staatlicher Regulierung zu tun hätten, erklärte Aufsichtsrat-Chef Ulrich Hartmann. Praktisch für Obermann: Die Telekom hat das Energiegeschäft (Stromzähler mit Internetanschluss) zu einem Wachstumsfeld erkoren.

Quelle: RP


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