Einigung im Streit um Airbus

zuletzt aktualisiert: 06.03.2010 - 02:30

Der Rüstungskonzern EADS hat sich nach monatelangem Streit über die Zukunft des Militärtransporters A 400 M mit den Abnehmerstaaten geeinigt. Die Verzögerungen belasten das Ergebnis von EADS-Großaktionär Daimler.

Im Milliardenpoker um den Militärtransporter A400M haben die Abnehmerstaaten und der Hersteller EADS nach langem Ringen einen Durchbruch erzielt. Den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern drückt dies 2009 allerdings in die roten Zahlen.

Nach monatelangen Verhandlungen erklärten sich die sieben Bestellnationen gestern bei einem Treffen in Berlin bereit, zwei Milliarden Euro mehr zu zahlen als ursprünglich vorgesehen. Zudem stellen sie als Vorschüsse auf spätere Exportgewinne zusätzlich 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung, wie EADS mitteilte. Des weiteren verzichten die Bestellnationen auf Schadenersatzzahlungen für Verzögerungen. Die detaillierte Anpassung des Vertrags soll in den kommenden Wochen erfolgen.

Für die Einigung muss der Konzern dennoch weitere 1,8 Milliarden Euro zurückstellen, was ihn 2009 in die Verlustzone drückt. Konkrete Zahlen will EADS am Dienstag veröffentlichen. Das Unternehmen versprach, die Risiken des Programms deutlich zu verringern und "innerhalb des neuen Vertragsrahmens ein hochmodernes Produkt" zu liefern. Die Einigung sei eine solide Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung des Programms.

Von dem Imageprojekt hängen mehr als 10 000 Arbeitsplätze ab. Die Entwicklung des A400M ist um Jahre verzögert, was die Kosten um etliche Milliarden in die Höhe schießen ließ. Für die Branche unüblich wurde bei Vertragsunterzeichnung 2003 ein Festpreis von 20 Milliarden Euro für 180 Maschinen vereinbart. Das sei eine "Mission Impossible" urteilte Airbus-Chef Tom Enders und forderte wegen der Kostenexplosion Nachbesserungen am Vertrag. Er drohte auch mehrfach damit, das Projekt zu kippen.

Während Frankreich und Spanien – der A400M soll in Sevilla gebaut werden – relativ zügig zu Zugeständnissen bereit waren, beharrten Großbritannien und Deutschland lange auf der Einhaltung des Vertrages.

Deutschland ist mit 60 Flugzeugen größter Abnehmer des A 400 M, der die über 30 Jahre alten Transalls ersetzen soll. Den ersten der neuen Transportflugzeuge soll die Bundeswehr nun 2014 erhalten. Es sei auch sichergestellt, dass die vorgesehenen Systeme wie der Schützenpanzer "Puma" transportiert werden könnten, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Der Grünen-Haushaltsexperte Alexander Bonde kritisierte die Vereinbarung. Besonders die Beteiligung der Staaten an späteren Exportgewinnen sieht er skeptisch. "Das ist eine schwierige Verquickung ökonomischer und politischer Interessen", sagte er gestern. Zudem eröffne die Vereinbarung neue Haushaltsrisiken. Auswirkungen hat die Misere um den A 400 M auch auf Hauptanteilseigner Daimler. Der Stuttgarter Autobauer deutete bereits an, das sein Ergebnis im ersten Quartal von seiner EADS-Beteiligung belastet wird. Gestern wollte sich Daimler zu zusätzlichen Aufwendung aber nicht äußern und verwies auf den Quartalsbericht am 27. April.

Quelle: Rheinische Post


 
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