Die IFA-Trends 2010
VON LUDWIG JOVANOVIC UND REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 30.08.2010 - 02:30Ab Freitag zeigen TV-Hersteller, Computerindustrie und Mobilfunker auf der High-Tech-Messe IFA ihre neuen Produkte. Interaktive Anwendungen liegen im Trend, Internet und TV wachsen zusammen, Mobilität wird wichtiger.
Offiziell beginnt die diesjährige Funkausstellung erst am Freitag dieser Woche. Doch einer hat es besonders eilig: Schon heute zeigt Telekom-Chef René Obermann in Berlin, wie der Konzern schnelleres Surfen unterwegs ermöglicht. Er schaltet die erste Funk-Station der Telekom für die Zukunftstechnik LTE ("Long-Term-Evolution") ein. Sie erlaubt eine schnellere Datenübertragung als per DSL. "Höheren Geschwindigkeiten gehört die Zukunft", sagt der frisch mit der TV-Moderatorin Maybrit Illner verheiratete Technikfan, "Internet, TV und Unterhaltungsangebote wachsen immer mehr zusammen."
Dies bestätigt sich auch auf der vom 3. bis 8. September in der Hauptstadt stattfindenden IFA. Sie entwickelt sich immer mehr zur Allround-Messe rund um Technikprodukte für Privatkunden. Miele stellt sogar eine Waschmaschine und einen Trockner vor, die nur dann arbeiten soll, wenn gerade besonders billiger Strom angeboten wird. Dafür halten die Geräte Kontakt zu einem digitalen Strommess-Gerät ("Smart-Grid"), das wiederum über das Internet erfahren soll, welcher Strompreis gerade gilt.
Bei den meisten IFA-Ideen geht es aber um neue Ideen der Unterhaltungselektronik im weitesten Sinne. Eines der interessantesten neuen Produkte integriert Computer- und Mobilfunktechnik: Es ist der kleine, aufklappbare Toshiba-Computer Libretto, mit dem ähnlich zu Apples iPad der Computer zum Lesegerät mit Touchscreen-Technik wird – Mobilfunkmodem natürlich auf Wahl inklusive.
Flachbild-Fernseher mit Online-Anschluss werden auf der Messe zu den wichtigsten Rennern gehören. Immerhin leisten sich in Deutschland Telekom und Kabel-TV-Firmen einen immer härteren Wettbewerb um Kunden für Bündelangebote von TV und Internet. Vodafone aus Düsseldorf wird auf der IFA ihr neues Web-TV-Angebot zeigen, die Telekom präsentiert die Weiterentwicklung ihres TV-Angebotes "Entertain."
Gleichzeitig entwickeln sich immer bessere Lokalisierungs-Funktionen, der Einzug von 3-D-Technik sowie von Touchscreen-Monitoren zu Trends: Kameras haben immer häufiger einen GPS-Empfänger und können bei jedem Bild abspeichern, wo es entstand – gleichzeitig suchen sich Navigationssysteme immer häufiger mit Funktechnik Informationen aus der Umgebung zusammen.
Kameras und erst recht Handys werden immer häufiger mit Touchscreen-Technik nur noch per Fingerdruck auf einem Monitor bedient. Und beim wichtigsten Umsatzträger Fernsehen hofft die Branche auf 3-D-Technik als Zukunftstrend.
Angeführt vom weltweiten Kinoerfolg Avatar kommen Filme mit Stereo-Bildern auf den Markt. Der Branchenverband Bitkom rechnet mit 100 000 verkauften 3-D-Fernsehern in Deutschland bis Ende des Jahres. Weltweit sollen es sechs Millionen werden, 2012 sogar 25 Millionen. Und für 2014 prognostizieren die Marktforscher von IMS Research: Jeder elfte Haushalt weltweit wird dreidimensional fernsehen, in den USA annähernd jeder zweite.
Das sind beachtliche Zahlen, doch von der Menge her entwickeln sich eher Multi-Media-Handys als breitester Trend in Deutschland und anderen Industriestaaten.
Schon jetzt nutzen zehn Millionen Deutsche ihr Handy für gelegentliche Ausflüge ins World Wide Web, in einem Jahr werden es voraussichtlich doppelt so viele sein. Denn bereits jedes dritte in Deutschland verkaufte Handy ist ein Smartphone ähnlich zum iPhone – besonders mobiles E-mailen, das Aufrufen und Nutzen von Mini-Programmen den so genannten Apps sowie die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ sind dabei beliebt. "Die mobile Internetnutzung hat den Durchbruch im Massenmarkt geschafft", sagt René Schuster, Chef des Mobilfunkunternehmens O2 und Bitkom-Präsidiumsmitglied. Ergebnis: Der Smart-Phone-Experte HTC aus Taiwan nutzt denn auch die IFA zur Präsentation dreier neuer Edelhandys.
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