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Das Ende der Festplatte

VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 03.10.2011 - 02:30

Morgen stellt Computergigant Apple neue iPhones vor. Mit der "iCloud" werden immer mehr Daten im Web abgespeichert. Gleichzeitig wird wohl der iPod Classic mit Festplatte aussortiert. Beides zeigt Trends.

Cupertino/Düsseldorf Der erfolgreichste Computerkonzern der Welt, Apple, hat schon häufig Technologie-Geschichte geschrieben und für die Kunden die Welt verändert. Jetzt ist es wieder so weit: Am Firmensitz in Cupertino bei San Francisco stellt das Management morgen die neue Generation der iPhones vor. Und für denselben Tag erwarten viele Experten eine fast ebenso spannende Ankündigung: Der klassische iPod, ein MP3-Player mit einer bis zu 160 Gigabyte großen Festplatte, wird wohl nicht mehr angeboten. Apple setzt nur noch auf Musikgeräte mit Speicherchips wie aktuell den iPod-Nano und iPod-Touch. Und Apple will den Nutzern ermöglichen, sehr viel mehr Daten in der sogenannten iCloud von unterwegs aus zu speichern.

Die Festplatte ist tot, es leben Speicherchips und das Abspeichern in der "Cloud" (deutsch: Wolke). So sieht die Zukunft der Elektronik für Kunden und Anbieter aus. Und selbst falls Apple das Ende des klassischen iPods doch noch nicht offiziell verkündet, um einige Fans des Klassikers zu halten, ist der Trend klar: Sowohl der erfolgreiche Flach-Computer iPad wie das neue Konkurrenzmodell Kindle Fire von Amazon und auch Apples MP3-Player iPod-Touch speichern Daten im Gerät nur noch auf Speicherchips – energiefressende und brummende Festplatten haben im Gerät der Zukunft nichts mehr zu suchen. Und damit ist auch Schluss mit der bei Festplatten-Computern oft nervigen Wartezeit: Speicherchip-Geräte fahren meistens in Sekunden hoch; das Auslesen der Programme von einer sich extrem schnell drehenden Festplatte dauert immer einige Zeit.

Doch der Siegeszug der Flash-Chips, so der englische Name für Speicherchips, ist nur die eine Seite der Revolution rund um Computer, MP3-Player, Video-Kameras und Medien-Nutzung. Gleichzeitig halten immer mehr unserer digitalen Spielzeuge rund um die Uhr Verbindung zu gigantischen Datenbanken im Internet, über die sie Musik, Infos, Videos oder auch Abos von Medien laden.

Apples iPad ist mit 29 Millionen verkauften Geräten keineswegs nur erfolgreich, weil das Gerät sich gut anfühlt und Bildersammlungen digital beherbergen kann, sondern weil es via W-Lan oder Mobilfunk die Nutzung von hunderttausenden Programmen ("Apps") und Medienangeboten über den Webshop "iTunes" erlaubt.

Wohin die Reise geht, zeigt der neueste Plan von Apple: Der Konzern verhandelt unter Hochdruck über weltweite Musikrechte für seinen Online-Speicherdienst iCloud. Wenn es gelingt, die Deals zum Abschluss zu bringen, könnte Apple das Musik-Angebot bei der iPhone-Präsentation am Dienstag auch für andere Länder außer den USA ankündigen, berichtet der Online-Dienst CNET. Deutschland, Frankreich und Großbritannien können unter den ersten Märkten sein.

Inhalte und Kundenbeziehungen, nicht Technikteile bestimmen damit über das Geschäft. Dies hat Apple gut verstanden: Denn die Amerikaner haben es geschickt geschafft, viele Millionen Kunden zu fest angemeldeten Kunden zu machen. Genau an diesem Punkt will Amazon mit seinem nur 199 Dollar teurem Kindle Fire gegen halten und so den Kunden auch den mobilen Zugriff auf Unterhaltung und/oder Abos jeder Art ermöglichen.

In Deutschland wird es das Kindle wohl zwar erst zur Jahreswende geben, doch es gibt Vorschusslorbeeren. So begrüßen der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) das neue Angebot ausdrücklich. Erstens wird es grundsätzlich mehr Leser für bezahlte, digitale Inhalte geben. Und da es endlich einen zweiten Partner für digitalen Medienverkauf gibt, stärke dies die Position der Inhalte-Lieferanten. Man kann die Vertriebsregeln künftig besser beeinflussen.

Quelle: RP


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