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Börsen-Legende Soros: Deutschland spart zu viel

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 25.06.2010 - 02:30

Es gibt Menschen, die spalten das Publikum. George Soros ist so einer. Die einen bewundern den bald 80-jährigen US-Amerikaner für seinen steilen Aufstieg vom Sohn eines ungarischen Esperanto-Schriftstellers zu einem der reichsten Menschen auf dem Globus und Freund des Menschen, der sich für die Demokratie und Gleichberechtigung einsetzt. Die anderen hassen ihn, weil der Großinvestor aus ihrer Sicht mit seinen Spekulationsgeschäften die Finanzwelt in Unordnung bringt – siehe seine Wetten gegen das britische Pfund und die D-Mark in den 90er Jahren.

So oder so ist Soros als Prediger auf den Finanzmärkten unterwegs. Gestern Abend führte ihn seine Mission als Gast der "Stiftung Mercator" nach Essen, wo der Milliardär der Bundesregierung einen Kurswechsel ans Herz legte: "Die deutsche Politik ist nur gut für Deutschland, Europa aber braucht eine Wachstumspolitik", sagte Soros in freundlichem, aber bestimmten Englisch. Sonst drohe einigen Ländern eine Deflation – also eine Phase sinkender Preise, sinkender Löhne und sinkender Wirtschaftsleistung.

Diese Ansicht mag die Kanzlerin und den Bundesfinanzminister erzürnen – Soros glaubt, gute Argumente auf seiner Seite zu haben. Die Deutschen haben sich zum strengen Sparen verpflichtet. Und dass ist für Soros ein Unding, weil Sparen allein nach seiner Überzeugung in Zeiten schwachen Konsums und unzureichender Kreditvergabe der Banken die Krise eher verschärft. Mit dieser Argumentation könnte Soros locker Berater von US-Präsident Barack Obama sein.

Des Großinvestors Ratschlag für Europas Staatenbündnis: Gebt den Banken statt den Ländern die Mittel aus dem europäischen Rettungsfonds. Dann kaufen die Geldhäuser auch wieder griechische oder spanische Anleihen. "Die Euro-Krise ist eigentlich eher eine Banken-Krise", meinte Soros. Man müsse die Banken mit frischem Kapital versorgen. Eine solche Politik bringe gerade Deutschland mehr ein, als es dafür an finanziellen Mitteln aufbringen müsse.

Das hört man selten. An anderen Stellen war Soros zuletzt ganz bei den Deutschen. Mittelfristig könnte eine Bankenabgabe sinnvoll sein, eine Transaktionssteuer wäre zu prüfen, Zentralbanken und Aufsichtsbehörden müssen Spekulationsblasen bekämpfen, sagt er. Wobei Spekulieren ja keine Sünde ist, sondern ein Weg zum Geldverdienen. George Soros hat das in der Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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