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Berlin: Arbeitslosigkeit wird 2013 kaum steigen

VON BIRGIT MARSCHALL - zuletzt aktualisiert: 04.01.2013

Berlin (RP). Im Dezember waren 2,84 Millionen ohne Job. Trotz des leichten Anstiegs geht das deutsche Jobwunder weiter.

Trotz der konjunkturellen Abkühlung seit Mitte 2012 sind am Arbeitsmarkt bisher nur geringe Auswirkungen zu spüren: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Dezember zwar deutlich um 88 000 gegenüber dem Vormonat gestiegen, wie gestern die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Doch die Zunahme war großteils der Jahreszeit geschuldet. Denn rechnet man die üblichen jahreszeitlichen Effekte heraus, stieg die so genannte saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im Dezember nur um 3000. BA-Chef Frank-Jürgen Weise wagte auch für das Gesamtjahr 2013 eine optimistische Prognose: Die BA rechne trotz der Konjunkturschwäche nur mit einem leichten Anstieg der Erwerbslosigkeit "auf etwas über 2,9 Millionen", sagte Weise in Nürnberg.

Die Zahl der Beschäftigten bleibe möglicherweise sogar stabil im laufenden Jahr, weil viele Unternehmen zögerten, Arbeitsplätze abzubauen. Die Firmen stellen sich offenbar bereits auf den Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel ein, der in den kommenden Jahren deutlicher zunehmen wird, weil mehr Menschen aus Altersgründen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, als neue hinzukommen. Ökonomen und die Arbeitsagentur rechnen zudem mit dem Wiederanziehen der Konjunktur im zweiten Quartal des Jahres.

Im Dezember waren 2,84 Millionen Menschen arbeitslos registriert, 60 000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote stieg leicht um 0,1 Prozentpunkte gegenüber November auf 6,7 Prozent. Schon seit Oktober sind am Arbeitsmarkt nach jahrelangen Erfolgen erste leichte Bremsspuren zu sehen.

Vor allem Ältere haben mehr Probleme: Die Erwerbslosenquote bei den 55- bis unter 65-Jährigen stieg im Dezember um 0,2 Punkte auf 8,1 Prozent. "Ältere, die arbeitslos werden, haben es anschließend schwerer, wieder eine neue Stelle zu bekommen", sagte ein BA-Sprecher. "Sie brauchen länger." Die Beschäftigungslage insgesamt sei bei den Älteren aber nicht schlechter als in anderen Altersgruppen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Altersstufe zwischen 60 und 64 Jahren sei von Mitte 2011 bis Mitte 2012 deutlich um zwölf Prozent auf gut 1,4 Millionen gestiegen. "Mehr Unternehmen als früher setzen auf ältere Beschäftigte", sagte der Sprecher. Trotzdem ist der Anteil der 60- bis 64-Jährigen an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit fünf Prozent immer noch gering.

Das abgelaufene Jahr 2012 sei ein Erfolgsjahr am Arbeitsmarkt gewesen, sagte Weise. Im Jahresschnitt sank die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vorjahr um 79 000 auf knapp 2,9 Millionen. Noch weniger Arbeitslose hatte es zuletzt 1991 im Wiedervereinigungsboom mit damals rund 2,6 Millionen gegeben.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit heute im Spitzenfeld, die Zeiten, in denen "vom kranken Mann Europas" die Rede war, sind lange vorbei. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young legte gestern eine Studie vor, in der sie von fast 20 Millionen Arbeitslosen in der Euro-Zone im zweiten Halbjahr 2013 ausgeht. Besonders problematisch sei die Lage in Spanien, Griechenland und Portugal.

Trotz kleinerer Warnsignale – die Zahl der offenen Stellen ist seit einigen Monaten rückläufig – wird sich die Erfolgsgeschichte am Arbeitsmarkt auch im laufenden Jahr fortsetzen, so die Einschätzung in Nürnberg. "Für 2013 gehen wir auf der Basis der vorliegenden Grunddaten davon aus, dass wir die Lage stabil halten können", sagte Weise.

Sein Vorstandskollege Raimund Becker sagte, auch bei der konjunkturellen Kurzarbeit gebe es noch keine Hinweise auf eine krisenhafte Entwicklung. Die Betriebe hätten im Dezember für etwa 45 000 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. "Das ist nichts Atypisches, so dass wir momentan auch keine Warnung geben", sagte Becker.

Quelle: RP
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