Ackermann sucht Nachfolger
VON THORSTEN BREITKOPF - zuletzt aktualisiert: 28.05.2010 - 02:30Der Vorstandschef der Deutschen Bank hat noch einen Vertrag bis 2013. Doch seit Monaten führt er auf der Suche nach einem Nachfolger intensive Gespräche, wie er gestern auf der Hauptversammlung in Frankfurt verriet.
Frankfurt/M. Ein Jahr lang hat Josef Ackermann geschwiegen, Diskussionen um seine Nachfolge hat er kategorisch abgewürgt. "Diese Frage stellt sich zurzeit nicht", lautete die notorische Antwort des Vorstands-Vorsitzenden der Deutschen Bank. Offiziell ist Josef Ackermann noch bis zum Jahr 2013 Chef des Branchenprimus'. Doch an den Börsen kursiert seit Monaten das Gerücht, Ackermann werde sein Amt früher abgeben. Jetzt hat der Schweizer selbst diese Diskussion neu entfacht. Auf der gestrigen Hauptversammlung rutschte es ihm raus: "Ich bin seit Monaten in intensiven Gesprächen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig über dieses Thema".
Die Nachricht, Ackermann suche nun selbst nach einem Nachfolger, verbreitete sich in weniger als 20 Minuten über alle Nachrichtenagenturen. Ackermann wird durch einen Zettel von der lauffeuerartigen Verbreitung der Nachricht unterrichtet. Der 62-Jährige versucht daraufhin, zurückzurudern. "Mein Vertrag läuft bis 2013" , fällt er in seine alte Sprachmonotonie zurück. Übergangszeiten müssten kurz sein, aber dass er deswegen früher gehe, habe er nicht gesagt, betont Ackermann.
Zu spät – die Gerüchteküche kocht bereits, das Rennen ist offen. Sitzt sein Kronprinz bereits neben ihm auf dem Podium, fragen sich einige. Manche halten Finanzchef Stefan Krause für fähig, andere finden, er sei zu jung. Nicht zu jung wäre dagegen Hermann-Josef Lamberti, 54 Jahre alt und seit mehr als zehn Jahren Vorstandsmitglied der Deutschen Bank. Auch externe Bankmanager, vielleicht aus dem Ausland, kommen für den Posten in betracht. Ackermann hatte als erster Ausländer an der Spitze der Deutschen Bank den Weg für entsprechende Kandidaten frei gemacht. Die Spekulationen werden noch lange weitergehen.
Derweil keilte Ackermann hart in Richtung Berlin. Der Spitzenbanker, der bislang im Kanzleramt als Berater gefragt war, geißelte ungewöhnlich deutlich die politischen "Verbalattacken auf so genannte Spekulanten". Banker und Politiker müssten in einem engen Dialog die richtige Balance an Regulierung finden, forderte er. Die Bundesregierung hatte zuletzt überraschend das Verbot hochriskanter Leerverkäufe im Alleingang durchgesetzt und die Finanzwelt gegen sich aufgebracht. Die Bankenbranche dürfe nicht zu stark reglementiert werden, forderte Ackermann. "Denn ohne das Kapital der Banken oder der Märkte stockt der Blutkreislauf der Wirtschaft." Für seine Politiker-Schelte erhielt er ungewöhnlich langen Applaus. Für seine jüngst in einer Talkshow geäußerten Zweifel an der Bonität Griechenlands war Ackermann in die Kritik geraten. Hierfür hatte der Manager nur Kopfschütteln übrig. Seine Aktionäre erwarteten Ehrlichkeit von ihm, und: "Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, dass das, was die Deutsche Bank sagt, der Wahrheit entspricht. Ein richtiger Banker spricht das, was er für richtig hält."
Die Bank hält an den hochgesteckten Zielen fest. Bis 2011 soll ein operatives Vorsteuerergebnis von zehn Milliarden Euro erzielt werden – doppelt so viel wie 2009. Die Aktionäre erhalten nun eine Dividende von 75 Cent je Aktie, im Vorjahr waren es nur 50 Cent gewesen.
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