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40 Prozent mehr Knie-Operationen

VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 28.07.2010 - 02:30

Die Deutschen lassen sich häufiger im Krankenhaus behandeln. Immer mehr künstliche Knie und Hüften werden eingesetzt, so der Klinik-Report der Barmer/GEK. Kassen und Ärzte streiten über den Sinn der teuren Eingriffe.

Der Rentner ohne künstliches Knie- oder Hüftgelenk könnte nach Ansicht der Barmer/GEK künftig zu einer Minderheit gehören. Deutschlands größte Krankenkasse stellte gestern ihren Krankenhausreport vor, demzufolge die Zahl der künstlichen Knie- und Hüftgelenke rasant zunimmt. Für die gesetzlichen Krankenkassen bedeutet diese Entwicklung hohe Ausgaben. Jährlich wenden sie 2,9 Milliarden Euro allein für neue Knie- und Hüftgelenke auf. Rechnet man die Kosten für Implantatwechsel hinzu, sind es rund 3,5 Milliarden Euro jährlich.

"Die gewaltige Steigerung von Hüft- und Knie-Implantationen hat einen hohen Preis", betonte der stellvertretende Kassenchef, Rolf-Ulrich Schlenker. Hier sei die Frage erlaubt, ob durch zu großzügige Diagnosen bereits eine Tendenz zur Überversorgung bestehe.

Der Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Rudolf Henke, wehrte sich gegen die Kritik der Kasse. "Die Bereitschaft der Menschen, sich mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen abzufinden, geht zurück", sagte Henke unserer Zeitung. Auch der medizinische Fortschritt, der Vollnarkosen bei immer älteren Patienten möglich mache und zu immer weniger Beschwerden nach einer Operation führe, sorge für einen Anstieg der Zahlen.

Zurzeit werden jährlich rund 209 000 künstliche Hüft- und 175 000 Kniegelenke eingesetzt. Hinzu kommen mehr als 50 000 Operationen pro Jahr, um Prothesen auszutauschen. Die Zahl der Eingriffe für Hüftprothesen ist seit 2003 um neun Prozent, die Zahl der OPs für neue Kniegelenke sogar um 43 Prozent gestiegen. Dabei haben die Autoren des Krankenausreports die Zunahme aufgrund der Alterung der Bevölkerung schon herausgerechnet.

Insgesamt ist die Zahl der Krankenhausfälle erneut gestiegen, während die Verweildauer erneut zurückging und nun bei durchschnittlich 8,5 Tagen Aufenthalt im Krankenhaus liegt. Zum Vergleich: 1992 lag die Aufenthaltsdauer durchschnittlich noch bei 13 Tagen.

Die Zahl der Behandlungen stieg 2009 im Vergleich zum Vorjahr pro 1000 Versicherten von 182 auf 186. Den erneuten Anstieg der Fallzahlen bei kürzerer Verweildauer der Patienten wertete Marburger-Bund-Chef Henke als "Riesenkompliment an die Produktivitätssteigerung im Krankenhaus".

Während die Verweildauer für körperliche Beschwerden in den Kliniken kürzer wird, steigt sie im Fall von seelischen Erkrankungen. Mit rund 30 Tagen liegt sie weit über dem Durchschnitt. 17 Prozent aller Tage, die Kassenpatienten im Krankenhaus verbringen, stehen unter der Diagnose psychische Störungen. Vor zehn Jahren fielen unter diese Diagnose nur acht Prozent der Krankenhaus-Tage. Jeder Vierte, der wegen einer psychischen Erkrankung behandelt wird, gilt als Alkoholiker. Kommentar

Internet Mehr Ergebnisse unter www.rp-online.de/wirtschaft

Quelle: Rheinische Post

 
 
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