10 000 Kumpel protestieren gegen Brüssel
zuletzt aktualisiert: 30.09.2010 - 02:30Marl/Brüssel (RP) Mehr als 10 000 Bergleute haben nach Gewerkschaftsangaben gestern an deutschen Zechenstandorten und in Brüssel gegen die Pläne der EU protestiert, die letzten Zechen in Deutschland schon 2014 zu schließen. Dies wäre vier Jahre früher als bislang geplant.
Der Vorsitzende der Bergbaugewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, warnte auf mehreren Betriebsversammlungen anlässlich des Kohle-Aktionstags, bei einer Umsetzung der EU-Pläne drohten Massenentlassungen im Bergbau und hohe zusätzliche Belastungen für den deutschen Steuerzahler. "Was glaubt die Politik eigentlich, was wir uns noch alles zumuten lassen", empörte sich Vassiliadis. Mit großen Opfern hätten die Bergleute auf Drängen der Politik den Weg für ein sozialverträgliches Auslaufen des Bergbaus bis 2018 freigemacht. "Und nun will sie uns per Fußtritt noch schneller ins Grab befördern."
Der Gewerkschaftschef warnte, die Kumpel würden eine Aufkündigung des Kohlekompromisses nicht hinnehmen. "Wir kennen den Weg nach Brüssel, und wir kennen auch den Weg nach Berlin. Wir werden mit allen Mitteln dafür streiten, dass der Kohle-Pakt von 2007 Bestand hat", sagte er.
Die Gewerkschaft hatte aus Protest gegen die Brüsseler Pläne zu öffentlichen Betriebsversammlungen in Ibbenbüren, Marl, Bottrop, Kamp-Lintfort und Saarbrücken aufgerufen, an denen sich laut IG BCE mehr als 9 000 Kumpel beteiligten. Weitere 1 200 Bergleute aus Nordrhein-Westfalen und dem Saarland nahmen nach Angaben der IG BCE an einer Kundgebung des Europäischen Gewerkschaftsbundes in Brüssel teil.
Scharfe Kritik übte Vassiliadis an Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), der in Brüssel nicht die Interessen der Bergleute vertrete. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse dessen "Sabotageakte" stoppen, verlangte der Gewerkschaftschef.Insgesamt arbeiten im deutschen Steinkohlenbergbau noch 23 000 Beschäftigte.
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