Düsseldorf: Rocker-Schlägerei in Gladbach
VON GABI PETERS UND GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 23.01.2012 - 02:30Düsseldorf (RP). Bei einer Messerstecherei zwischen den Rockerclubs Hells Angels und Bandidos sind vier Menschen verletzt worden. Experten befürchten Racheakte. Politiker von SPD und Grünen fordern ein Verbot der Banden.
Eine Messerstecherei in der Altstadt von Mönchengladbach hat die Diskussion über ein konsequentes Vorgehen gegen die verfeindeten Rockerclubs Hells Angels und Bandidos neu entfacht. Bei der Attacke waren in der Nacht zu gestern vier Menschen verletzt worden. Ein Rockerclub-Mitglied erlitt eine gefährliche Stichverletzung und schwebt immer noch in Lebensgefahr. Hunderte Polizei- und Rettungskräfte waren im Einsatz. Die Altstadt wurde stundenlang abgeriegelt.
Augenzeugen berichten von "bürgerkriegsähnlichen Zuständen". Wie die Polizei gestern mitteilte, hatte sich eine größere Gruppe von Bandidos am Alten Markt versammelt. Die in Kutten gekleideten Rocker zogen anschließend geschlossen zu einer Diskothek, wo sie auf eine etwa gleich große Gruppe Hells Angels stießen. Dort eskalierte die Situation. Es kam zu einer Schlägerei, bei der auch Messer eingesetzt wurden. Die Polizei forderte sofort Unterstützung von umliegenden Behörden an. Eine Stunde lang habe man ununterbrochen Martinshörner gehört, berichten Anwohner. "Als die ersten Polizeikräfte in der Altstadt eintrafen, hatten sich die rivalisierenden Gruppen bereits getrennt", sagte ein Polizeisprecher. Weil man nicht gewusst habe, an welchen und an wie vielen Stellen einzelne Mitglieder der Rockergruppen wieder aufeinandertreffen, sei die Situation sehr brisant gewesen. Dutzende Krankenwagen standen bereit. Sechs tatverdächtige Rocker wurden festgenommen.
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung in mehreren Fällen und versuchten Totschlags aufgenommen. Unklar blieb gestern, ob sich Hells Angels und Bandidos zu der Schlägerei verabredet hatten und ob es bei dem Konflikt um territoriale Kämpfe geht. Bei den Altstadtwirten gibt es die Befürchtung, dass die Rockerszene in der Stadt Fuß fassen will. Gestern kursierten Gerüchte, dass die Bandidos versucht hätten, den Sicherheitsdienst in Diskotheken zu übernehmen, die bislang von den Hells Angels bewacht worden seien.
Die Nachricht über die Massenschlägerei zwischen den Rockergruppen verbreitete sich in der Stadt in Windeseile. Im nahe gelegenen Kino wurden die Besucher nach Filmende gewarnt, die Altstadt nicht zu betreten. Über die Internetdienste Twitter und Facebook wurden auch Nachrichten über einen Schusswechsel verbreitet. Dies wollte die Polizei gestern nicht bestätigen. Auch über die Zahl der Rocker-Mitglieder, die an der Massenschlägerei beteiligt waren, wurde nichts bekannt. Augenzeugen berichten von 20 bis 40 "Kuttenträgern".
Eine Sprecherin von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte gestern, die Ermittler würden "konsequent" gegen die Rockerkriminalität vorgehen; das Landeskriminalamt sei in die Ermittlungen eingebunden. Ziel sei es, den Clubs "keine Spielräume" mehr zu geben. Wilfried Albishausen, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in NRW, forderte ein Verbot der Vereine: "Da muss jetzt in NRW was passieren", sagte Albishausen. Es sei "höchste Zeit dem Treiben Einhalt zu gebieten". Monika Düker, Landesvorsitzende der Grünen, erklärte, ein Verbot müsse dann angewendet werden, wenn die Verstrickung in kriminelle Taten nachgewiesen werde.
Auch Thomas Stotko, Innenexperte der SPD-Landtagsfraktion, befürwortet ein Verbot. Es sei zu befürchten, dass die Auseinandersetzung zwischen den Banden eskalieren könne. "In der Szene gilt das Prinzip ",Auge um Auge, Zahn um Zahn'", sagte Stotko. Racheaktionen seien "nicht unüblich".
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