Mönchengladbach: Razzia bei Gladbachs Präsident
zuletzt aktualisiert: 28.10.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Steuerfahnder haben beim Präsidenten des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, Rolf Königs, Privat- und Geschäftsräume durchsucht. Es bestehe der Verdacht, der Manager habe Zinsen aus Geldanlagen in Luxemburg nicht versteuert.
Eine kürzlich vom Land Nordrhein-Westfalen angekaufte Steuer-CD hat zu ersten Ermittlungen in Prominenten-Kreisen geführt. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" durchsuchten Steuerfahnder die Räumlichkeiten des Mönchengladbachers Rolf Königs. Der 70-Jährige ist Präsident des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Königs bestätigte der Zeitung gestern im Beisein seiner Düsseldorfer Anwältin, dass er Besuch von der Steuerfahndung bekommen habe.
Die Steuer-CD, die die Ermittlungen gegen Königs offenbar ausgelöst hat, soll Informationen über 3000 Bankkunden enthalten. Sie stammt aus einer Luxemburger Filiale der britischen HSBC-Bank. Unbestätigten Medienberichten zufolge haben die NRW-Finanzbehörden für die CD drei bis vier Millionen Euro gezahlt. Der Düsseldorfer Ableger des Bankhauses, HSBC Trinkaus, verwahrte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Verdächtigungen: "Die Bank macht bei Steuerhinterziehung nicht mit, auch nicht stillschweigend. Die Kunden sind für ihre Steuererklärung selbst verantwortlich", sagte HSBC-Trinkaus-Chef Andreas Schmitz.
Bei den Ermittlungen soll es um einen Betrag von 1,6 Millionen Euro gehen. Die Summe habe er zunächst ordnungsgemäß versteuert, zitiert die Zeitung den Borussen-Präsidenten. Dann habe er das Geld jedoch nach Luxemburg gebracht, es dort überwiegend auf einem Festgeldkonto angelegt und die dann anfallenden Zinsen bei der Steuererklärung vergessen. Dem Bericht zufolge summierten sich die Erträge im Laufe von mehr als zehn Jahren auf mehrere Hunderttausend Euro.
Der Borussen-Präsident sprach von einem "Versehen": "Ich habe das Konto für mich einfach ausgeblendet. Ich hatte gar keine Zeit, mich um das Geld zu kümmern." Königs habe den Ermittlern zugesagt, dass er umfangreich bei der Aufklärung kooperieren wolle, hieß es. Auch soll er angekündigt haben, die fälligen Steuernachzahlungen, voraussichtlich einen sechsstelligen Betrag, so schnell wie möglich zu leisten.
Königs war gestern persönlich für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Fußball-Bundesligisten, der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Hermann Jansen, sagte unserer Zeitung: "Sollte die Untersuchung ergeben, dass er gegen Gesetze verstoßen hat, muss er dafür selbstverständlich wie jeder andere geradestehen. Das ist allerdings seine persönliche Sache und hat mit Borussia nichts zu tun." Königs sei ein hervorragender Präsident für den Verein.
Königs, der sich im Gladbacher Textilunternehmen AUNDE vom Lehrling zum Geschäftsführer hocharbeitete, baute die Firma zu einer weltweit agierenden Gruppe (86 Werke in 25 Ländern) auf. Im Februar 1999 ließ sich der Manager in den Vorstand der Borussia wählen, stieg 2004 zum Präsidenten auf. In seiner siebenjährigen Amtszeit an der Spitze des Gladbacher Vereins stellte Königs Borussia wirtschaftlich auf gesunde Beine, machte sich aber auch Feinde. Erst im Frühjahr scheiterte eine Gruppe um den ehemaligen Fußball-Star Stefan Effenberg und den früheren Sprecher des SPD-Politikers Peer Steinbrück, Martin Schmuck, Königs aus dem Amt zu drängen. Der Vereinspräsident ist bis 2013 gewählt.
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