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Neuss: Kinder brechen im Eis ein

VON JULIA HAGENACKER UND PETER BÖTTNER - zuletzt aktualisiert: 05.02.2010 - 02:30

Zwei neun- und zehnjährige Jungen sind gestern Nachmittag auf dem zugefrorenen Reuschenberger See durch die Eisdecke gebrochen, ein dritter Junge konnte sich retten. Der Neunjährige schwebt in Lebensgefahr.

Minutenlang hatten sie sich mit dem Kopf über Wasser gehalten, bis einem von beiden die Kräfte versagten: Zwei Jungen im Alter von neun und zehn Jahren sind gestern kurz nach 16 Uhr beim verbotenen Spielen auf dem nahe der Autobahn A 57 gelegenen Reuschenberger See ins Eis eingebrochen.

Der Neunjährige wurde unter die Eisplatte getrieben. Nach seiner Bergung mit einem Rettungsschlauchboot musste das leblose Kind reanimiert werden. Ein Hubschrauber brachte den Jungen in die Düsseldorfer Uniklinik. Seinen zehnjährigen Freund konnte die Feuerwehr mit einem Rettungsring vom Eis ziehen. Er wurde in ein Neusser Krankenhaus gebracht. Ein dritter Junge schaffte es aus eigener Kraft bis ans Ufer. Er steht unter Schock.

An diese Szene werden Jan Gützlaff (16) und Marcel Pluta (17) noch sehr lange denken: der zugefrorene Reuschenberger See, aus dessen Mitte, meterweit entfernt, zwei kleine Kinderköpfe ragen; die verzweifelten Hilferufe, das Großaufgebot an Rettungskräften, das in diesem Moment anrückt, der Hubschrauber, das Schlauchboot, die Reanimation. Eigentlich wollten Jan und Marcel zum Eishockey-Training. Statt dessen wurden sie Zeugen eines tragischen Unfalls.

Um 16.28 Uhr ging der Notruf – vermutlich von einem Passanten – bei der Neusser Feuerwehr ein. Die Retter rückten mit zehn Einsatz- und drei Rettungswagen aus. Auch Taucher aus Düsseldorf wurden angefordert, kamen aber nicht mehr zum Einsatz, weil die Feuerwehr mit Hilfe des Hubschraubers rechtzeitig zu den Kinder vorrückte. "Das war auch für uns eine wirklich schwierige und gefährliche Geschichte", so Einsatzleiter Heinrich Lambertz. "Unsere Leute waren mit Seilen gesichert, sonst wären auch sie sofort ins Eis eingebrochen." Gerade mal drei Zentimeter dick war die Eisschicht an der Stelle, an der die Retter gegen 16.40 Uhr auf den See gingen. Die Sonne hatte den ganzen Tag über geschienen. Das Wasser, sagt Lambertz, hatte zirca drei Grad. Vom gegenüberliegenden Ufer aus verfolgten Jan und Marcell das Geschehen mit. "Wir haben gesehen, wie zwei Feuerwehrmänner zunächst versucht haben, sich mit Schutzanzügen auf dem Bauch zu den Jungen hin zu robben. Das hat aber nicht funktioniert. Sie waren zu schwer."

Die Hubschrauber-Besatzung warf schließlich einen Rettungsring auf die Eisfläche. Der Zehnjährige konnte ihn fassen und wurde ans Ufer gezogen. Dem Neunjährigen dagegen versagte die Kraft. Mehrmals verschwand sein Kopf unter der Wasseroberfläche. Mit einem ebenfalls vom Hubschrauber gezogenen Rettungsschlauchboot holten die Männer den leblosen Körper aus dem See.

Bereits im Boot und auch noch beim späteren Abtransport mit dem Helikopter musste das Kind reanimiert werden. Sein Gehirn bekam für längere Zeit keinen Sauerstoff. Wie es dem Jungen geht, ob er den Unfall überlebt hat oder ob er womöglich ernsthafte und bleibende Schäden davon trägt, war bis zum Druck dieser Ausgabe nicht bekannt.

Quelle: Rheinische Post
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