Düsseldorf: Neue Aufregung um Atom-Kügelchen in Jülich
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 23.12.2011 - 02:30Düsseldorf (RP). Das Bundesforschungsministerium hat einen Zwischenfall auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich bestätigt. Bei Sanierungsarbeiten an der Kanalisation der Einrichtung waren Arbeiter im Herbst dieses Jahres auf Grafit- und Keramikkugeln gestoßen. Solche Kugeln waren im stillgelegten Forschungsreaktor als Brennelemente eingesetzt worden. Sollte es sich bei dem Fund etwa um hoch radioaktives Material handeln? Das Forschungszentrum ging auf Nummer sicher. Spezialisten in Schutzanzügen sicherten den Fundort, bargen die verdächtigen Kugeln und brachten sie ins Labor, wo die Strahlung gemessen wurde.
Besorgte Mitarbeiter des Forschungszentrums beobachteten den Vorfall und informierten den Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer. Der Grüne hakte beim Bundesforschungsministerium nach und erhielt jetzt eine Antwort auf seine Fragen. In den 60er und 70er Jahren hätten in den Laboren zahlreiche Versuche stattgefunden, "die einzig das Ziel hatten, das mechanische Verhalten von Kugelschüttungen unter verschiedenen Bedingungen zu untersuchen", heißt es in dem Schreiben des Ministeriums. Diese Kugeln seien "frei von radioaktiven Stoffen". Deshalb hätten sie auch "keiner besonderen Kontrolle oder Überwachung" unterlegen.
Im Düsseldorfer Landtag befasst sich derzeit ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss mit der Aufklärung der sogenannten Atomkugel-Affäre um angeblich verschwundene Brennelemente aus dem Forschungszentrum Jülich. Gleichzeitig gibt es eine Diskussion darüber, ob der radioaktive Abfall aus dem Forschungsreaktor in Jülich bleiben soll oder ob die Brennelemente in Castoren zum Zwischenlager Ahaus transportiert werden sollen.
Für den Abgeordneten Krischer ist der Fund im Kanalsystem ein Anhaltspunkt dafür, dass sich der Verbleib der Brennelemente-Kugeln aus dem Forschungsreaktor niemals vollständig klären lassen wird. "Ich halte es für möglich, dass radioaktive und nichtradioaktive Elemente vertauscht worden sind", sagte der Grüne. Die Sicherheitsmaßnahmen, die die Einrichtung ergriffen habe, seien der Beleg dafür, dass man sich selbst nicht ganz sicher sei. Das Forschungszentrum ließ die Frage, wie es dazu kam, dass die Grafit- und Keramikkugeln im Erdreich vergraben wurden, gestern unbeantwortet.
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