Nach Razzia: Ackermann nicht in Aufsichtsrat
VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 15.11.2011 - 02:30Frankfurt/M. In einer spektakulären Aktion haben Staatsanwälte mehrere Tage lang die Vorstandsbüros der Deutschen Bank in Frankfurt durchsucht. Als offensichtliche Reaktion darauf erklärte Vorstandschef Josef Ackermann (63) gestern, nun doch nicht ab nächstem Sommer Aufsichtsratschef der Bank werden zu wollen. Stattdessen soll der Allianz-Vorstand Paul Achleitner Oberaufseher des größten Geldhauses in Deutschland werden.
Die Hausdurchsuchung fand statt, weil Ackermann, der jetzige Aufsichtsratschef Clemens Börsig und der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer verdächtigt werden, im zivilrechtlichen Prozess um den Untergang des Kirch-Medienkonzernes bewusst die Unwahrheit gesagt zu haben. Die bereits vergangene Woche erfolgte Razzia wurde gestern bekannt, nachdem Anwälte der Deutschen Bank gegen die Kammer des Münchner Zivilgerichts einen Befangenheitsantrag gestellt hatten, weil dieses Manager der Bank angeblich heimlich bei der Staatsanwaltschaft angeschwärzt hatte.
Der Verzicht von Ackermann auf den Wechsel in den Aufsichtsrat kommt völlig überraschend. Vehement hatte der Schweizer zuvor mit Vertrauten dafür gekämpft, dass er Oberaufseher der Deutschen Bank werden darf, wenn Anshu Jain, bisher verantwortlich für das Investmentbanking, sowie Jürgen Fitschen im Mai von Ackermann die Führung der Bank übernehmen. Ackermann, so der Plan, sollte der Garant dafür sein, dass das stabile Privatkundengeschäft gegenüber dem riskanten, aber ertragreichen Investmentbanking nicht zu kurz kommt. Viele Aktionärsvertreter hatten sich zudem für dem Schweizer stark gemacht, weil ihn die Bankenwelt weiterhin als ihren prominentesten Vertreter brauche.
Ackermann lobte in einer Erklärung den künftigen Aufsichtsratschef Achleitner. Vertraute von Ackermann versuchten gestern Abend in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, der Verzicht auf den Wechsel in den Aufsichtsrat habe doch nichts mit den Hausdurchsuchungen zu tun. Es sei vielmehr so, dass Ackermann so stark mit der Lösung der Finanzkrise beschäftigt gewesen sei, dass er keine Zeit dafür gehabt habe, sich auf den Wechsel in den Aufsichtsrat vorzubereiten.
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