Minister plant Blitz-Marathon gegen Raser
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 02:30Düsseldorf Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) will mit einer ungewöhnlichen Aktion gegen zu schnelles Fahren vorgehen: Am Freitag werden Kommunen, Polizeibehörden und die Autobahnpolizei in einem "24-Stunden-Blitz-Marathon" an 1400 Messstellen Tempokontrollen durchführen. Damit will Jäger auf die steigende Zahl schwerer Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern aufmerksam machen.
"Sie haben keinen Airbag, jeder Unfall wirkt direkt auf den Körper", erklärte der Minister. Bei einer Geschwindigkeit von 65 Kilometern pro Stunde kämen acht von zehn Kollisions-Opfern ums Leben, sagte der Politiker. Bei 50 km/h kämen hingegen acht von zehn Fußgängern mit dem Leben davon. "Es sind 15 Stundenkilometer Unterschied, die über Leben und Tod entscheiden", sagte Jäger. Die Tempokontrollen sollen im Internet angekündigt werden. Es gehe nicht darum, möglichst viele Knöllchen zu schreiben, hieß es. Um möglichst viele Messungen durchführen zu können, werde zum Teil auf das personalintensive Anhalten der Temposünder verzichtet. Bei der Aktion sollen neben Radaranlagen und Videomessfahrzeugen auch Laserpistolen zum Einsatz kommen.
Der ADAC Nordrhein erklärte, das verstärkte Vorgehen gegen Raser sei "nachvollziehbar". "Es wäre allerdings aus verkehrspädagogischer Sicht besser, wenn möglichst viele Temposünder auch gestoppt würden", sagte Roman Suthold, Sprecher des Automobilclubs. Wenn man den Rasern ihr Fehlverhalten nicht erkläre, sondern lediglich eine Rechnung zuschicke, verfehle die Aktion ihre Wirkung.
Christof Rasche, Verkehrsexperte der FDP im Düsseldorfer Landtag, kritisierte den Blitz-Marathon als "Symbolpolitik". "Es wäre besser, wenn die Landesregierung sich um die nachhaltige Verbesserung der Infrastruktur kümmern würde", so der Liberale. Bis 2030 werde sich der Lkw-Verkehr auf den Verkehrsachsen verdoppeln. "Die Grünen blockieren den Bau von Umgehungsstraßen und Autobahn-Lückenschlüssen und tragen so zur Vermehrung der Gefahr auf den Straßen bei", sagte Rasche.
Peter Biesenbach, Vizefraktionschef der CDU, nannte den Vorstoß des Innenministers einen "PR-Gag". Die in NRW verfügbaren Radarfahrzeuge seien ohnehin täglich im Einsatz. "Ich kenne keine Polizeibehörde, die ihre Blitzer ungenutzt in der Garage stehenlässt", sagte der Unionspolitiker.
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