Medikamente – neuer Ärger für Patienten
VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 03.01.2009Berlin Gesetzlich Versicherte müssen damit rechnen, dass ihr Apotheker bei der nächsten Rezept-Einlösung ungewohnte Tabletten-Packungen über die Theke reicht. Der Apotheker-Verband macht darauf aufmerksam, dass sich je nach Krankenkasse die Rabattverträge für bestimmte Wirkstoffe ändern können.
Große Umstellungen kommen ab dem 1. März auf die 24 Millionen Versicherten der AOK zu. Die Kasse hat 64 verschiedene Wirkstoffe europaweit ausgeschrieben. Dazu zählen auch gängige Mittel gegen Volkskrankheiten wie Blutdruck- und Cholesterinsenker, Magenmittel und Antidiabetika. Mit den günstigsten Pharma-Anbietern sollen neue Rabattverträge geschlossen werden. Allein bei der AOK geht es um ein jährliches Umsatz-Volumen von 2,3 Milliarden Euro. Das Einsparpotenzial durch die Rabattverträge beziffert die Kasse nur grob auf „mehrere hundert Millionen Euro jährlich“.
Die Apotheker müssen Patienten das Medikament aushändigen, mit dessen Hersteller die jeweilige Kasse einen Vertrag geschlossen hat. Vielerorts sorgt dies bei den Kunden für Unmut. „Wenn die Patienten auf andere Präparate umgestellt werden, besteht immer die Gefahr von Verwechslungen und Doppeleinnahmen“, sagt Thomas Preis, Chef des Apothekerverbandes NRW. „Wir haben auch Bedenken, dass bei einigen Herstellern die Lieferfähigkeit nicht gewährleistet ist, weil sie nicht ausreichend Mengen produzieren könnten“, betont Preis.
Die AOK weist die Kritik zurück. „Derzeit müssen Apotheker die günstigsten Wirkstoffe wählen“, betont Sprecher Udo Barske. Dadurch bekämen die Patienten verschiedene Präparate ausgehändigt. Durch die Rabattverträge erhielten sie hingegen für die Dauer von zwei Jahren stets das gleiche Mittel. Den Vorwurf, dass es nach Abschluss der Rabattverträge zu Lieferengpässen kommen könnte, kann die AOK nicht von der Hand weisen. Gegen beinahe die Hälfte der Zuschläge, die die AOK bereits erteilt hat, haben Pharma-Hersteller, die nicht zum Zuge kamen, Widersprüche eingelegt. Sie müssen nun von Sozialgerichten entschieden werden. „Wir sind total blockiert“, räumt Christopher Hermann ein, bei der AOK für die Rabattverträge verantwortlich. Wegen der ungeklärten Lage wagen die Anbieter es nicht, ihre Produktion hochzufahren.
Freuen können sich Kassenpatienten hingegen über weitere Arzneimittel, die von Zuzahlungen befreit wurden – allein zum 1. Januar rund 300 Präparate. Die Versicherten sparen dadurch jährlich rund 200 Millionen Euro.
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