Massaker in syrischen Protest-Hochburgen
zuletzt aktualisiert: 28.01.2012 - 02:30Damaskus (dpa) Kurz vor einem Syrien-Treffen des UN-Sicherheitsrates sind die Truppen des Regimes von Präsident Baschar al Assad mit massiver Gewalt gegen die Opposition vorgegangen. Nach Angaben von Aktivisten kamen gestern landesweit mindestens 100 Menschen ums Leben. Allein in der Provinz Hama gab es 44 Tote, als Soldaten die gleichnamige Stadt mit Panzern stürmten. Der Leiter der arabischen Beobachtermission Mohammed al Dabi sprach von einer "dramatischen Eskalation" der Gewalt in den vergangenen vier Tagen. Nach einer Erklärung der Arabischen Liga sieht er insbesondere in den Protest-Hochburgen Homs, Hama und Idlib eine Verschärfung der Lage. Die Gewalt schade den Bemühungen, den Weg für einen Dialog zu ebnen, kritisierte der sudanesische General.
Syrische Oppositionelle meldeten aus Homs 18 Tote, nachdem Sicherheitskräfte das Feuer auf Gläubige eröffnet hätten, die aus einer Moschee strömten. In der nördlichen Provinz Idlib sei an einem Kontrollpunkt der Armee eine Autobombe gezündet worden, mindestens sechs Soldaten kamen ums Leben. Weitere sechs Regimesoldaten seien in Daraa von Deserteuren der syrischen Armee getötet worden. Selbst im bislang eher ruhigen Aleppo starben nach diesen Angaben mindestens neun Menschen an ihren Verletzungen, nachdem Sicherheitskräfte auf Demonstranten geschossen hatten. Am Stadtrand von Rankus seien 21 Menschen getötet worden. In der Hauptstadt kam nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana bei einem Bombenanschlag ein Kind ums Leben.
In New York hat sich am Abend der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Eskalation in Syrien beschäftigt. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen hatte Marokko eine Resolution in den Rat eingebracht. Russland hat allerdings bereits seinen Widerstand gegen die Forderung nach einer Ablösung Assads angekündigt.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Rande eines Treffens von EU-Außen- und Europaministern in Brüssel: "Wir wollen eine Resolution, die die Gewalt des Assad-Regimes klar und deutlich brandmarkt." Jetzt bestehe die Chance, "dass sich der Sicherheitsrat zu Syrien endlich klar positioniert. Das ist überfällig." Seit Beginn der Massenproteste sind nach Angaben der Vereinten Nationen rund 5400 Menschen ums Leben gekommen.
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