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Köln sucht den Schuldigen

VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 05.03.2009 - 02:30

Köln Der Kölner Justizsprecher Günther Feld bestätigte, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Baugefährdung und fahrlässiger Körperverletzung gegen Unbekannt eingeleitet wurde. Der Chef der Kölner Feuerwehr erklärte, die Hoffnung, Überlebende unter den Trümmern zu finden, tendiere "gegen null". Gestern Abend wurden noch zwei Männer vermisst, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Dachgeschoss eines Nachbarhauses aufgehalten haben sollen. Bei einem der möglichen Opfer soll es sich um einen Bäckerlehrling handeln.

In Köln begann am Tag nach dem Einsturz die Diskussion um die Frage, wer die Verantwortung für das Unglück trägt. Kulturdezernent Georg Quander wies den Vorwurf zurück, die Stadt habe auf Warnungen nicht reagiert. Gutachter hätten bestätigt, dass die Statik trotz sichtbar gewordener Risse sicher gewesen sei. Wenn sich kein Hohlraum unter dem Gebäude gebildet hätte, wäre das Archiv nicht eingestürzt.

Aus bisher ungeklärter Ursache war der Boden unter dem Gemäuer ins Rutschen geraten und hatte die ein Meter dicke Betonwand zum U-Bahn-Schacht durchbrochen.

Auch die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) wiesen Schuldzuweisungen zurück. Die Einsturzstelle sei nicht als kritisch angesehen worden. Einen Baustopp lehnte KVB-Chef Jürgen Fenske ab. Dieser sei sogar kontraproduktiv, weil an einem U-Bahn-Bauabschnitt derzeit sichernder Beton verfüllt werde. Mit der Durchführung der U-Bahn-Arbeiten sind die KVB beauftragt. Unklar ist laut Fenske auch, ob Baggerarbeiten im Tunnel am Tag des Unglücks die Katastrophe ausgelöst haben. "Wir wissen, was passiert ist, aber noch nicht, warum", resümierte Fenske.

Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) erklärte, die politische Verantwortung für den U-Bahn-Bau trage der Rat der Stadt. Bei künftigen Projekten müsse entschieden werden, ob ein U-Bahn-Bau in dicht bevölkerten Städten noch möglich sei. Es könne nicht sein, dass dadurch Menschen gefährdet würden: "Ich will, dass die Menschen, die in Köln leben und arbeiten, sicher leben."

Schrammas generelle Zweifel an U-Bahn-Projekten hält Bernhard Steinauer (65), Professor für Straßenwesen, Erd- und Tunnelbau in Aachen, für maßlos übertrieben. "Wir haben viele Kilometer Tunnel in Deutschland, Europa und auf der ganzen Welt gebaut – und nichts ist passiert", sagt der Experte. Der U-Bahn-Bau sei keine leichte Aufgabe, aber durchaus beherrschbar. Selbst wenn die Katastrophe von Köln in Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau stehe, was noch unklar sei, sei Schrammas Forderung völlig inakzeptabel.

In der Nacht zu gestern hatten 100 Rettungskräfte zusammen mit Archivaren begonnen, die Bestände des Archivs zu bergen. Sie wurden in einer Turnhalle gelagert.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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