Kältewelle: Russland liefert weniger Gas
zuletzt aktualisiert: 04.02.2012 - 02:30Berlin/Brüssel (RP) Wegen der Kältewelle hat der russische Monopolist Gazprom den Gashahn weiter zugedreht. Nach Deutschland strömte gestern offenbar fast ein Drittel weniger Gas als an den Tagen zuvor. Deutschlands größter Importeur Eon Ruhrgas bestätigte wie RWE eine Kürzung in dieser Größenordnung. Auch die BASF-Tochter Wingas sprach von Einschränkungen. Zuletzt waren Kürzungen von nur zehn Prozent registriert worden. Russland ist der wichtigste Gaslieferant der EU.
Die EU-Kommission nannte acht weitere Länder, an die Russland weniger Gas liefert. Österreich und die Slowakei haben demnach ähnlich hohe Einschränkungen wie Deutschland hinzunehmen.
Gazprom wies jede Schuld von sich. "Die Europäer bitten um mehr, als wir zu liefern verpflichtet sind", sagte Sergej Komljew vom Tochterunternehmen Gazprom-Export nach Angaben der Agentur Interfax. Zuvor hatte der Konzern bereits erklärt, es werde so viel Gas nach Westen geschickt, wie zu entbehren sei. Allerdings entnehme die Ukraine offenbar mehr aus den Leitungen, als ihr zustehe. Dagegen sagte der ukrainische Energieminister Juri Boiko, Gazprom pumpe jeden Tag 75 Millionen Kubikmeter weniger Gas durch die ukrainischen Pipelines als vereinbart.
Eine Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger sagte, die Kürzungen bedeuteten nicht, dass Gazprom vertragsbrüchig sei. In den Abkommen sei eine Flexibilität für den Fall eingebaut, dass Russland bei großer Kälte selbst mehr Brennstoff brauche.
Die Bundesregierung und die Unternehmen betonten, wegen gut gefüllter Gasspeicher sei die Versorgung über längere Zeit gesichert. Das Wirtschaftsministerium erklärte, es gebe zudem Signale, dass die Lieferungen demnächst wieder höher ausfallen könnten.
Die Kältewelle hat Osteuropa derzeit fest im Griff. Mindestens 175 Menschen kamen durch die eisigen Temperaturen ums Leben. Am schlimmsten betroffen ist die Ukraine mit bislang 101 Toten. Allein gestern starben dort 38 Menschen. In Deutschland erfroren mindestens zwei Menschen.
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